You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Diebstähle müssen nicht immer auf Not, Besitzgier oder Schädigungsabsichten zurückgeführt werden. Sie können auch symbolisch bedingt sein. Im Falle eines zwölfjährigen Knaben ließen sich die Diebstähle aus Verlorenheitsgefühl (complexe d'abandon) erklären. Er stahl, um Zuneigung und Liebe unter seinen Kameraden zu kaufen. Ursprünglich nahm er der Mutter das Geld weg, um sich für die ihm entgangene Mutterliebe schadlos zu halten. In einem 2. Fall fühlte sich eine jetzt erwachsene Dame als zehnjähriges Mädchen von ihrem Vater vernachlässigt. Sie stahl ihm eine Krawattennadel. Als sie sie „wiederfand“, kamen keine besonderen Liebesbezeigungen. Sie gestand dann den Diebstahl, aber auch jetzt kam es nicht zu besonderen Reaktionen. Daraufhin brach das Mädchen auf Jahre hinaus die inneren Beziehungen zum Vater ab. Halbwüchsige Burschen stehlein oft, um sich zu beweisen, daß sie „gerissener“ seien als die großen. Sie versuchen so, das herabgesetzte Selbstwertgefühl zu kompensieren, hinter dem sich narzißtische Kränkung verbirgt, die neben dem Gefühl des Isoliertseins bei Pubertierenden dominiert. Pädagogisch ist es in solchen Fällen wertvoll, die Fehlbaren in eine Gemeinschaft einzureihen, in der sie ihren Drang, ein Mann und Held zu sein, sozial einwandfrei betätigen können (psychohygienischer Wert der Sportorganisationen). Auch anderes Diebesgut als Geld kann Symbolbedeutung haben. Ein debiler Schüler des Verfassers stahl einen Hund, um etwas Lebendiges von seinem geliebten Lehrer mitzunehmen. Als er in Not kam, verkaufte er zuerst alles Entbehrliche. Schließlich gab er unter Bedauern auch den Hund fort. Hier ließ sich das Motiv des Diebstahls auf den Wunsch zurückführen, einen gefürchteten Liebesverlust zu vermeiden. Aus Eifersucht stahl ein 17jähriger Gymnasiast einem vier Jahre älteren Freunde seinen Offiziersdolch und ein Armkettchen, das dieser Freund einem Mädchen hatte schenkein wollen. Grob sexuelle Wünsche führten bei einem Fetischisten zu Diebstählen gebrauchter