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Die Sinnkontinuität der Lebensentwicklung wird bei den manisch-depressiven Psychosen nicht zerrissen (Kurt Schneider), sondern nur unterbrochen. Sie „schließt automatisch nach Abklingen der Psychose wieder an der Abbruchsteile an“, was auch bei sich über Jahre hinziehenden Phasen der Erkrankung beobachtet wird. Der physiologische und psychische Prozeß des Alterns geht in dieser Zeit unabhängig von der Erkrankung weiter. Die Krankheit hat in der Erinnerung der Patienten wenig Gewicht, sie wird aus der Lebensgeschichte ausgeschaltet.
Die Erledigung neurotischer Konflikte, die mitunter vor allem in subdepressiven Phasen aktualisiert werden können (Winkler), ist sehr selten. Psychotherapie kann hier nicht viel helfen, was mit den fundamentalen Änderungen der Persönlichkeit durch die Psychose zusammenhängt. Je schwerer das Krankheitsbild, desto mehr geht die Persönlichkeit und mit ihr ihre neurotischen Bildungen in der Phase unter.
Der „Mechanismus“ der Entstehung des Schuldgefühls weist Ähnlichkeit mit dem der Zwangsvorgänge von Anankasten auf, obschon das Schuldgefühl bei Depressiven eine „viel tiefere, dem Kern der Persönlichkeit näherliegende Verankerung“ hat als die Zwangsvorgänge Zwangskranker.
Durch „Hinabsinken auf den biologischen Boden der Person“ (zum Beispiel durch totale Entwurzelung, Unterernährung) können reaktiv-depressive Erkrankungen, die ganz im Stile endogener weiterlaufen, in Gang gesetzt werden. Hier ist offenbar wirkungsvoller das soziale und Gruppenschicksal als das individuelle.
Bei reaktiv Depressiven ist es möglich, „daß gewissermaßen die Konfliktmasse selbst sich in Vitalstörungen umsetzt, konvertiert, und eine Aufwühlung erfolgt, die unter Verzicht auf den Ausweg ins Geistig-Abstraktive herabsinkt bis in die leibnahe, ja bis in die leibliche Schicht“. Hier kann sich im Überstehen der Depression und im Wiederanknüpfen an die Sinngesetzlichkeit des Daseins ein Konflikt erledigen.