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Traum und Wachwirklichkeit sind zwei Realitäten verschiedener Art, die jedoch auf dem gemeinsamen Boden der „Existenz“ ruhen. Bei Primitiven stellen beide ein Kontinuum dar, wie an einem Beispiel von Werner gezeigt wird. Bei den Kai-Leuten auf Neu-Guinea muß ein Mann Buße zahlen, wenn er sich im Traum gegen eine Frau seines Nachbarn vergangen hat.
Der Traum offenbart häufig etwas, was der Träumer sich nicht eingestehen will. Er ist damit, ebenso wie die Neurose, eine Antwort auf eine vom Leben geforderte Entscheidung, die aber im Sinne einer Als-ob-Lösung gefällt wird. Wenn wir zugestehen, daß eine Entscheidung zur Krankheit in jeder Neurose steckt, so ist damit auch gleichzeitig die Frage nach der Verantwortlichkeit für sie und damit für den Traum gestellt. Doch Verantwortung kann nur geleistet werden, wo Freiheit ist. Da jeder Mensch nur seine Träume träumt, ist er nur so weit, als er sich durch Selbstkontrolle und Selbsterziehung ändern kann, für sie verantwortlich. Dies verpflichtet den Menschen zur bewußten Stellungnahme und damit zur Antwort auf seine Träume, um seine geheimen Wünsche und Tendenzen, die oft im Gegensatz zur Tageswirklichkeit stehen, in den größeren Rahmen eines Bildes von sich selbst zu stellen. Nur so kann, z. B. im Sinne einer besseren Realitätsanpassung oder auf höherer Stufe einer Selbstverwirklichung, eine Änderung der Struktur eines Menschen und damit seiner Träume erreicht werden.