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Wenn im Folgenden versucht werden soll, die religiöse Wirklichkeit in Bezug zu setzen zu jenem Geschehen, das „tiefenpsychologische Arbeit“ heißt, so bin ich mir bewußt, dabei einem inneren Widerstand von seiten eben der Vertreter der Tiefenpsychologie zu begegnen. Das Religiöse, nach seinem echten transzendenten Gehalt einschließlich der Ethik, die sich religiös orientiert, ist dieser Psychologie im allgemeinen odiös, und wenn wir uns erinnern, aus welcher geistigen Einstellung sie erwuchs — nämlich aus der materialistisch-naturwissenschaftlichen Weltanschauung vom Ende des 19. Jahrhunderts —, so wird uns das nicht wundernehmen.
Nach der Theorie Freuds sind die religiösen Grundauffassungen nichts anderes als Illusionen, die sich das schwache menschliche Herz gegenüber der Tragik und Unverständlichkeit des Lebens ausgesonnen hat. Und die ethischen Normen sind, ohne daß wir um diesen Ursprung wüßten, Resultate der Anpassung an die äußere Realität. Diese Anpassung fordert fast unerträgliche Verzichte unserer triebhaften Bedürfnisse, so daß sie meist nur mit dem Rückhalt an den religiösen Dogmen zu leisten war. Die religiösen Dogmen und die ethischen Vorschriften sind nicht Spiegel der Wirklichkeit, sondern Symbole und Auswege aus einer andauernden seelischen Konfliktsituation, und nichts ist fragwürdiger, als den so veranlaßten Konstruktionen echte Gültigkeit zuzuschreiben oder sie gar mit dem Nimbus der Heiligkeit zu umkleiden. Die Tiefenpsychologie ist in ihrem Angriff noch weiter gegangen. Sie meint, daß diese Konstruktionen, statt menschliches Leben zu fördern und zu festigen, es häufig mit der Überspannung der geistigen Tendenz schädigen und zerstören. Sie glaubt, daß eine Psychotherapie, die ihre Aufgabe, ernst nehmen will, gehalten ist, unter Umständen diesen ideologischen Mächten den Kampf anzusagen, wie sehr sie auch durch Tradition und Konvention geschützt sein mögen.
Was sollte nun nach Freud und seinen Schülern an die Stelle der religiösethischen Orientieru