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Der „Wirklichkeitssinn“ wird in der psychoanalytischen Literatur selten erwähnt. Der Titel von Ferenczis klassischer Schrift „Entwicklungsstufen des Wirklichkeitssinnes“1) ist etwas irreführend; denn sie untersucht nicht die unterscheidende Empfindung im Hinblick auf das, was wirklich und das, was nur vorgestellt ist, sondern beschäftigt sich vielmehr mit der schrittweisen Anpassung des Ich an die Wirklichkeit, indem es dauernde, und das bedeutet wirkliche Befriedigung seiner Bedürfnisse und Wünsche erlangt. Die Allmacht der Gedanken, Gesten und Worte sind Entwicklungsstadien in diesem Prozeß. Wiederholtes Erfahren von Versagungen bringt das Ich dazu, Schritt für Schritt die unreifen Mittel, mit denen es Befriedigung zu erlangen suchte, aufzugeben zugunsten eines mehr komplexen und rationalen Verhaltens.
Soweit es sich um die Fähigkeit handelt, zwischen wirklich und unwirklich zu unterscheiden, hat Freud den Begriff einer wichtigen Ich-Funktion eingeführt, den er „Realitätsprüfung“ nannte. Er erklärt die Phänomene von Halluzinationen und Wahnbildungen durch die Annahme, daß in solchen Fällen eine Wirklichkeitsprüfung versagt, wie im Zustand des Schlafes und bei psychotischen Ichstörungen. Wenn die Wirklichkeitsprüfung aussetzt, verliert das Ich seine Fähigkeit, zwischen äußerer Wirklichkeit und dem, was bloße Produkte der Seelentätigkeit sind, zu unterscheiden. Andererseits machen Jaspers und besonders Federn einen Unterschied zwischen Wirklichkeitssinn und Wirklichkeitsprüfung. Diese Unterscheidung hat höchst wichtige und weitreichende theoretische wie praktische Folgerungen, die ich im folgenden darzustellen versuche.