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Um 1500 malte der berühmte niederländische Maler Hieronymus Bosch ein Tafelbild, auf dem eine Hirnoperation dargestellt wird, um, wie man meinte, Steine aus dem Stirnhirn zu entfernen (Abb. 2). Ein anonymer Nachfolger Boschs malte wenige Jahre später ein ähnliches Bild (Abb. 3). Das erstere befindet sich im Madrider Prado, das letztere im Rijksmuseum in Amsterdam. Das starke medizin-historische Interesse, das beide Bilder gefunden haben, ist um so problematischer, als die medizinische Literatur aus der damaligen Zeit keinerlei Hinweise dafür enthält, daß im Mittelalter Hirntrepanationen bekannt waren. Es ist auch nicht recht einzusehen, welcher Art die Steine waren, die damals aus dem Stirnhirn entfernt werden sollten. Wenn es auch möglich ist, daß bei der primitiveren Wohnkultur vor 450 Jahren häufiger diejenigen Tierkrankheiten auftraten, die zu Verkalkungen im Gehirn führten, wie zu Cysticerken oder zu den symmetrischen Kalkablagerungen toxoplasmogenen Infektionen, — so ist nicht zu verstehen, wie diese Gebilde am Lebenden festgestellt wurden und wie Krankheitssymptome mit diesen Krankheitsprodukten in kausalen Zusammenhang gebracht werden konnten. Eine interessante Erklärung für diese Bilder hat der Franzose Meige Ende des vorigen Jahrhunderts in der Iconographie de la Salpetrière und im Janus veröffentlicht. Während die zünftige Kunstwissenschaft die Bilder als Narreteien ansieht, nahm er an, daß beide Bilder Scheinoperationen darstellen, die von einem Quacksalber zur suggestiven Therapie von Geisteskrankheiten ausgeführt wurden. Doch hätte Bosch und sein Nachfolger in diesem Falle das Opfer der Operation wohl kaum in einer so wehleidigen Ruhe dargestellt, mit der die Patienten auf beiden Bildern sich die Steine entfernen lassen. Sicherlich war die operative Technik damals auch nicht so weit, daß sie derartige Scheinoperationen ermöglichte. Diese Deutung wird weniger der Zeit des Hieronymus Bosch entsprechen als der Zeit, in der sie ausgesprochen wurde: das End