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Die Störungen der Liebesfähigkeit beim Weibe, wie sie allgemein unter den Bezeichnungen „Geschlechtskälte“, „Frigidität“, „Dyspareunie“ beschrieben werden, betreffen Zustände, bei denen der Geschlechtsverkehr zwischen Mann und Frau mindestens als äußerlicher Akt noch vorhanden ist. Indes ist in diesen Fällen der Frau die eigentliche gemütliche Zuwendung, die Erschütterung des ganzen Menschen an dem Höhepunkte des Geschehens und schließlich das Erlebnis der Verschmelzung oder Einswerdung versagt.
Der Fall, den wir hier beschreiben, geht insofern noch über diese Zustände hinaus, als die Frau sich jedem Geschlechtsverkehr mit ihrem Manne entzog, ja sogar einfache körperliche Berührungen mit Ekel beiantwortete.
Im Nachstehenden soll geschildert werden, wie es hierzu gekommen ist, und wie die verhältnismäßig einfache psychotherapeutische Behandlung zur Heilung geführt hat.
Zu der ersten Besprechung kam die Patientin mit ihrem Mann, auf Empfehlung eines auswärtigen Analytikers, der sie kurze Zeit behandelt hatte. Die seit 5 Jahren verheirateten Eheleute stammen aus mittleren Bürgerkreisen und leben in einer auswärtigen Kleinstadt.
Sie berichten Folgendes: Vor etwa dreiviertel Jahren hat sich innerhalb kurzer Zeit bei der Frau eine völlige Abneigung gegen jeden Geschlechtsverkehr entwickelt. Schließlich ist dieser ganz eingestellt worden. Besonders der Mann glaubt, daß die Ehe aufs schwerste gefährdet sei, obwohl die Eheleute nach Angaben beider im übrigen verhältnismäßig störungsfrei miteinander leben. — Aus der Ehe stammt ein jetzt einjähriger Sohn.
Der wenig ältere Ehemann ist einziges Kind und stammt aus einer wahrscheinlich nicht sehr harmonischen Ehe. Er macht den Eindruck eines feinen, sensiblen, leicht kränkbaren Menschen. Die ausnehmend schöne, fein-organisierte Frau kann sich nur sehr schwer äußern und ist deutlich stark depressiv. Man hat indes den Eindruck, daß diese ihre Haltung nicht allein auf ihrer Depression beruht, sondern ihre