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Verschiedene Rückfragen auf Grund meines Aufsatzes „Erläuterungen zum Kundalinǐ-Yoga“1) machen noch einige Bemerkungen zu diesem wichtigsten Thema der indischen und zentralasiatischen Psychologie nötig. Ich setze dabei die Kenntnis der genannten Arbeit voraus.
Kundalinǐ-Yoga ist als Technik der Aktivierung der physischen und psychischen Ganzheit eines Individuums selbst wieder nur Ausdruck für das Aktivwerden von Kundalinǐ, das heißt des gesamten Potentials des Wirklichen. Diese Aktivierung wird in zwei Vorgängen begriffen, deren Unterscheidung durchaus fiktiver Natur ist:
der ureine Seinsgrund taucht in der Vielheit der physischen und psychischen, das heißt vorder- und hintergründigen Gestalten bis zur grobstofflichen Materialisierung auf;
das so in Mannigfaltigkeit Gestaltete und auch leibhaft Konkrete erweist sich als ein Aspekt des unaussprechbar Ureinen, das in der Mitteilung mit Leerheit bezeichnet werden kann.
Die Yoga-Technik erstreckt sich auf beides, das heißt auf totale Entfaltung der psychisch-physischen Ganzheit und auf Überwindung der Vielheit der Erscheinungsweisen des Wirklichen. Mit a) und b) geht Hand in Hand einmal das Bewußtwerden, zum andern die Überwindung des Bewußtseins im meditativen Zustand der unaussprechbaren Leerheit, was, wie dargestellt wurde, nicht Bewußtlosigkeit bedeutet. Die das Individuum ausmachenden vorder- und hintergründigen Potenzen sind an fiktiven Orten des Leibes lokalisiert, heißen Tschakra und werden dargestellt im Bilde von Lotusblüten (Pad-ma), die übereinander wie an einer Säule im Körper aufgereiht sind.
Vor der Aktivierung schlummert Kundalinǐ noch in der unteren Mǔlǎdhǎra-Blüte, dem Sexualzentrum, da dort einmal der Ausgangspunkt für die Zeugung neuer Individuen, zum andern aber auch für die leib-seelische liebende Einung der polaren Geschlechter gesehen wird. Diese Einung, der Zustand der „großen Lust“ (Mahǎsukha), gilt besonders bei den buddhistischen Schulen des sogenannten Vadschrayǎna als Tür zur Überwindung der Ic