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Die Frage, wieweit das Seelische bei der Entstehung und bei dem Verlauf von Krankheiten mitspielt, beunruhigt die Medizin in zunehmendem Maße. Der Arzt, der im konkreten Fall zwischen Psychotherapie und somatischen Behandlungsmethoden wählen muß, steht immer wieder vor unlösbaren Problemen: Sowohl die Psychotherapie wie die Klinik, als Vertreter der somatischen Medizin, haben schwerwiegende Argumente vorzubringen, aber bei dem Versuch, diese Argumente gegeneinander abzuwägen, zeigt sich bald, daß sie in verschiedenen Sprachen abgefaßt sind.
Ohne Zweifel ist eine Sprache, in der Psychotherapeuten und Kliniker einander verstehen können, heute ein zentrales Anliegen für die Medizin. Eine solche Sprache läßt sich aber nicht konstruieren. Ein „psychosomatisches Esperanto“ wäre eine hoffnungslose Angelegenheit; denn Wort und Begriffe sind nichts Äußerliches, sie können nur aus dem redlichen Umgang mit den Phänomenen herauswachsen.
Aber hier geraten wir schon vor die erste Schwierigkeit: In der Medizin sind die Phänomene bereits mit Definitionen und Voraussetzungen belastet, die entweder der Naturwissenschaft oder der Psychologie entstammen. Im Umgang mit ihnen bedienen wir uns schon entweder der einen oder der anderen Sprache. Wenn wir jedoch davon ausgehen, daß der gesunde oder der kranke Mensch weder ein naturwissenschaftliches noch ein psychologisches Phänomen ist, müßte es möglich sein, ohne diese Behinderung an ihn heranzutreten