You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Die Ziele der Psychoanalyse haben sich in den letzten Jahren verändert. Als Freud die erstaunliche Entdeckung machte, daß sich Symptome, wie etwa die Lähmung eines Armes oder ein Angstzustand, beheben ließen, indem man dem Patient ein traumatisches Erlebnis, das er vergessen hatte, oder wie wir sagen würden, seinerzeit nicht verwunden hatte, ins Gedächtnis zurückrief, war es natürlich das Ziel der Therapie, Symptome zu beheben. Der nächste Schritt oder die nächste Erfahrung, die Freud machte, bestand darin, daß diese einfache Methode, Symptome zu beheben, nicht immer funktionierte. Manchmal ließ sich kein Einzelerlebnis, das für die bestimmte körperliche Störung verantwortlich zu machen war, auffinden und es schien notwendig, einen langen Umweg zu machen, vieles über das Leben des Patienten und seine ganze Persönlichkeit zu erfahren, um das Symptom zu verstehen und dem Patienten zu helfen, es zu überwinden. So begann Freud allmählich sein Interesse der Struktur der Persönlichkeit und diesen scheinbaren Mißerfolgen zuzuwenden, daß nämlich Symptome nicht immer einfach verschwinden, sondern nur auf Grund unseres Verständnisses der menschlichen Persönlichkeit und besonders auf Grund unseres Verständnisses der Neurose. So wurde dann das Ziel dahin abgewandelt, Symptome durch das Verständnis der Persönlichkeit zu beheben. Die Betonung beruht aber noch immer auf dem Symptom.
Der nächste Schritt war der, daß einige fortschrittliche Analytiker mit Erstaunen bemerkten, daß es Neurosen ohne Symptome gibt. Es war Franz Alexander, der dieser Entdeckung eine ganz naive Bezeichnung verlieh, nämlich „Symptomneurose“ und „Charakterneurose“, eine Formulierung, von der wir heute das Gefühl haben, daß sie völlig verkehrt ist, da jede Neurose eine Charakterneurose ist, die aber seinerzeit einen ausgesprochenen Fortschritt darstellte. Wir verstehen, daß damit zum Ausdruck gebracht werden sollte, daß Symptome offensichtlich nicht der wirkliche Teil einer Neurose sind, sondern daß es sich b