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Eine Diskussion über Psychotherapie führt zu grundlegenden theologischen Problemen. Die Frage taucht auf, ob es sowohl ein gerechtfertigtes als auch ein ungerechtfertigtes Schuldgefühl gibt, eine gerechtfertigte und eine ungerechtfertigte Selbstannahme. Und es ergibt sich das Problem, welche Art von Krankheit und welche Art von Angst geheilt werden kann oder soll und welche nicht. Im Folgenden will ich versuchen, die Antworten, die die klassische Theologie auf diese Fragen gibt, zu erläutern, obschon mit der Angst, die einen Theologen unausweichlich befällt, wenn er sieht, wie entstellt und unverständlich fast alle klassischen religiösen Begriffe dem Menschen unserer Zeit geworden sind. Die einzige Möglichkeit, sie trotzdem noch zu gebrauchen, besteht darin, sie auf echte gegenwärtige Erfahrungen zu beziehen, von denen man behaupten kann, daß sie den ursprünglichen Erfahrungen ähneln, aus denen die Symbole der klassisch-religiösen Überlieferung entstanden sind. Der Mensch muß unter drei Gesichtspunkten betrachtet werden: erstens unter dem Gesichtspunkt seines kreatürlichen Gutseins, seiner ursprünglichen Unschuld, zweitens unter dem Gesichtspunkt seiner verzerrten existentiellen Situation, in der er sich tatsächlich befindet, drittens unter dem Gesichtspunkt seiner Wiederherstellung durch heilende und erlösende Kräfte, denen er in Natur und Geschichte begegnet.
Der erste Gesichtspunkt, in dem die jüdisch-christliche Tradition sich von den meisten nichtchristlichen Überlieferungen kennzeichnend unterscheidet, ist die Idee, daß der Mensch und die Natur und das „Sein als Sein“ in ihrer wesenhaften Struktur gut sind (esse qua esse bonum est). Dieser Zustand des Menschen kann als ein Zustand „träumender Unschuld“ bezeichnet werden. Es ist ein Zustand der ungeprüften, unentschiedenen Unschuld (wie es der Mythos vom Paradies oder vom goldenen Zeitalter ausdrückt). Deshalb ist es ein Zustand, der verloren gehen kann. Philosophisch gesprochen ist es ein Zustand der reinen Mö