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Wenn sich die Leitung der Deutschen Therapiewoche trotz des Überangebots an Heilmitteln in den attraktiv aufgemachten Ständen der Arzneimittelfabriken dieses Jahr entschlossen hatte, das vorwiegend für den praktischen Arzt zugeschnittene Programm mit einem Tag „Psychotherapie für die Praxis“ zu eröffnen, so dürfen wir diesem Vorgang eine wirkliche Bedeutung zuschreiben. Die Bedeutung für den praktischen Arzt resultiert offenbar aus der Erfahrung, daß ihm zwar für alle nur denkbaren Leiden und Krankheiten eine Vielzahl von Medikamenten angeboten wird, daß aber trotzdem etwa 40 Prozent der Patienten (Kühnel) darauf nicht ansprechen. Diese im wesentlichen neurotischen und funktionellen Erkrankungen wurden denn auch mehrfach als Volksseuche unserer Zeit bezeichnet.
Zwei besonders schwierige Punkte, der Psychotherapie als einer adäquateren und daher erfolgversprechenderen Methode die notwendige Breitenwirkung zu geben, zeigten sich auch bei diesem Tagesprogramm: 1. eine Überbrückung der enormen Kluft zwischen den nahezu automatisierten Denkschemata einer gewollt kausalnaturwissenschaftlichen Medizin und der für jede Psychotherapie erforderlichen Zuwendung des Arztes zum Patienten im Sinne einer solidarischen zwischenmenschlichen Begegnung, 2. die Unmöglichkeit, unter den noch vorherrschenden Behandlungsbedingungen eines praktischen Arztes Zeit und Kraft für eine Psychotherapie zu finden.
Kretschmer, der Präsident dieses Tages, forderte dementsprechend für Wissenschaft und Praxis eine Durchdringung mit Psychotherapie abseits von Routine, Spekulation und Mode und wies auf die starken Impulse und Fortschritte in den angelsächsischen Ländern hin. Sein nachfolgender Vortrag „Psychotherapie und vegetatives System“ war weitgehend eine Wiederholung des Vortrages in Bad Nauheim 1950 und wollte mehr eine Einführung in die psychotherapeutischen Voraussetzungen, Grundlagen und Möglichkeiten sein, wobei der Vortragende den Schwerpunkt auf eine Psychophysiologie) legte, die er als psych