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Bei der Lektüre dieses Buches hatte Referent immer wieder den Gedanken: Möchte doch derjenige, der heute noch die „Psychologie der Massen“ von Le Bon liest und darin Antwort auf ihn bedrängende Fragen sucht, lieber zum eben genannten Buch von Hofstätter greifen. Hier wird er die Antworten eines modernen Autors, und zwar die richtigeren, finden. Das zeigt sich schon zu Beginn und im Titel des ersten der neun Kapitel: „Das vielfältige Nichtwissen“. Hier liegt der Meinung des Referenten nach der korrekte Ansatz und die korrekte Fragestellung. Der Massenmensch sagt nicht: „Ich weiß nicht“, sondern er gibt eine Antwort. Und Hofstätter fragt sich: „Warum gibt er diese Antwort, obgleich er wissen könnte, daß er nicht weiß? Worauf gründet er seine Antwort? Unter welchen Gesichtspunkten kommt diese zustande? Was imputiert sie ihm und mit welchen Absichten?“ Hofstätter nimmt in seinem Buch einen fast journalistischen Tonfall an, aber es klingt eine Ernsthaftigkeit überall hindurch, eine Gründlichkeit der Untersuchung, die immer wieder, trotz manchmal amüsanten Stils, sehr angenehm und befriedigend wirkt. Das Buch ist im besten Sinn des Wortes „ironisch“ geschrieben. Hofstätter zögert nicht, in sehr konkreter Weise die öffentliche Meinung aufs Korn zu nehmen. Besonders auf Grund einer vielfältigen und sorgfältigen Verwendung der Untersuchungsergebnisse amerikanischer Autoren wählt er höchst prägnante Beispiele für das Grotesk-Abwegige öffentlicher Meinung auf der ganzen Erde, aber er entschuldigt sie da, wo es angesichts der menschlichen Natur notwendig und human ist. Im einzelnen mag man dies oder jenes nicht für tatbestandsgerecht und korrekt halten, aber es sollte eigentlich hierauf nicht allzusehr ankommen, denn der Nachdenkliche und zur Nachdenklichkeit Bereite wird eine Fülle von Anregungen empfangen, die es ihm erleichtern werden, ruhiger und sicherer als bisher seinen Standpunkt gegenüber dem Phänomen der öffentlichen Meinung zu entwickeln, immer wieder zu überprüfen u