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So oft der Psychologe sich aufs Glatteis der Politik hinauswagt, erschallt der Ruf: „Schuster bleib bei deinen Leisten.“ Hoffet hat aber die politische Seele des Elsässers auf Grund der Geschichte des Landes analytisch ergründet und daraus die Zerrissenheit, die Widersprüche, die scheinbare Charakterlosigkeit, das Drama jener Europäer abgeleitet, die in der Scholle verwurzelt leben.
In Paris, in ganz Frankreich, wie auch in Deutschland hat man vom Elsässer eine irrige, verzerrte Vorstellung. Sein Akzent, sein Wesen sind dem Franzosen wie dem Deutschen fremd, lächerlich, wenn nicht verdächtig. Der im „Ausland“ lebende Elsässer liefert einen Beitrag zu dem Mißverständnis, denn er ahmt jene nach, die ihr Ursprungsland verleugnen, mit allen Kräften versuchen sich zu assimilieren und dennoch zutiefst in der Denkart ihres Mutterlandes verhaftet bleiben. Im Elsaß selbst gibt es den Typus des Chauvinisten, «plus royaliste que le roi», der seine eigene Vergangenheit verleugnet, sobald die andere Macht das Land besetzt, der dem neuen Landvogt schmeichelt, gegen jene aufhetzt, die Charakter zeigen, die Landessprache üben, weder Franzosen noch Deutsche sein wollen, sich selbst treu bleiben.
Hoffet begnügt sich nicht mit der Beschreibung eines Tatbestandes. Er spürt die Gründe auf, weshalb die Seele des Elsässers zerrissen, gespalten, widerspruchsvoll auf der Suche nach Einheitlichkeit einer Kollektivneurose verfällt: Minderwertigkeitskomplexe mit den entsprechenden Überkompensationen, Fluchtmechanismen nach Außen wie nach Innen, Regressionen, Angst sich zu geben wie man ist und fühlt, Doppelspurigkeit, letzten Endes Verrat an sich selbst, am neuen wie am alten Vaterland. Unbarmherzig und kompromißlos geht er in die Tiefe der Motive und Ursachen des elsässischen Dilemmas. Politische Ereignisse sind der Ausdruck des kollektiven Unbewußten eines Volkes. So sollen denn seine Mitbürger endlich zu ihrer Doppelspurigkeit stehen, einsehen, statt davor zurückzuschrecken, daß sie mindesten