You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Bei einer Kranken mit typischer Anorexie führt die übliche psychotherapeutische Behandlungsweise nicht zum Erfolg. Es gelingt zunächst nicht, die „innere Lebensgeschichte“ zu erhellen. Die Kranke bestreitet, irgendwelche seelischen Konflikte zu haben. Über die Entstehung des Leidens weiß sie nichts. In ihren Schilderungen zeigt sich lediglich immer wieder eine starke Abkehr von der Welt. Die Psychotherapie droht im Leeren zu verlaufen. Entscheidenden Wandel bringt die daseinsanalytisch orientierte Fragestellung. Es wurde nicht mehr gefragt: Wie ist es gekommen? Wann hat sich dieses oder jenes Erlebnis zugetragen? und so weiter. Es wurde darauf verzichtet „die Geschichte“ der Kranken aufzuklären, denn „mit alledem wird der Kranke aufgefordert, sich über zeitliche Strukturen seines Daseins auszusprechen, und das eben scheint den an Anorexie leidenden jungen Mädchen nicht möglich zu sein. Sie sind gleichsam von der Zeitlichkeit ihres Daseins her nicht zugänglich“. Die Kranke klagte unter anderem darüber, daß ihr die Dinge wie in die Ferne gerückt erschienen. Hiervon ausgehend wird nun gefragt, „wo“ sich etwas ereignet habe, wie es sich mit „Nähe“ und „Ferne“, mit „innen“ und „außen“ verhalte, die „räumlichen Strukturen ihres Daseins“ werden damit angerührt. Diese Änderung der Methode zu fragen, weckte „schlagartig“ das Interesse der Patientin und führte innerhalb eines Jahres mit 18 Sitzungen zur praktischen Heilung. Eindrucksvolle Symptomerhellung.
Die kleine Arbeit scheint vorzüglich geeignet, die Eigentümlichkeit einer daseinsanalytisch orientierten psychotherapeutischen Arbeit zu erläutern.