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Der Verfasser fühlt sich bei der Untersuchung psychosomatischer Zusammenhänge im Bereich der Augenerkrankungen auf historischem Boden, hatte doch Freud in seiner Arbeit „Die psychogene
Sehstörung in psychoanalytischer Auffassung“ zum erstenmal kurz die Grundlagen der Psychosomatik dargestellt. Freud unterscheidet dort zwischen neurotischen und psychogenen Sehstörungen, die sich zueinander verhalten „wie ganz allgemein die Aktualneurosen zu den Psychoneurosen“. Im Gegensatz dazu stellt der Verfasser auf Grund einer Fülle von klinischen Beobachtungen fest, daß die rein neurotischen, aktuellen Sehstörungen außerordentlich selten sind, ja fast nicht vorkommen.
Die meisten der vom Verfasser gemachten Beobachtungen zeigen den psychogenen Mechanismus der Konversion, der besonders durch zwei affektive Situationen ausgelöst wird: die Selbstbestrafung in allen Variationen des ödipalen Konfliktes, oft maskiert in der Form des sexuellen Tabus und geschwisterlicher Rivalitäten; die Identifikation, die sich besonders in den Phänomenen der Couvade zeigt. Eine in ihrer Einfachheit am stärksten imponierende Art der Selbstbestrafung im Bereich des visuellen Apparates sind die Unfälle, die Verletzungen und Verstümmelungen der Augen. Hierbei stellt sich in aller Schärfe das Problem der „Warnung“ oder der „unbewußten Wahl“ gewisser Verstümmelungsarten. Die Erblindung des Ödipus anstelle der Kastration ist die archetypische Strafe für den Inzest. Die ödipalen Schuldgefühle haben oft die Angst um das Augenlicht zur Folge. Die freiwillige Blendung ist selten, es ist aber auffallend, daß zum Beispiel bei Eintreten derselben nach einem verfehlten Suicidversuch die Angst sofort verschwindet und nicht nur der Versuch nicht wiederholt wird, sondern die Wiederanpassung sehr leicht und rasch vor sich geht. Ein Beispiel, bei dem sich Strafbedürfnis und Identifikation koppeln, ist das eines jungen Mannes mit einem nicht gelösten Vaterkomplex — der Vater war auf einem Auge blind —, der ständig sein