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Auf dem 2. internationalen katholischen Kongreß für klinische Psychologie und Psychotherapie, der im August 1950 in Notre Dame du Chǎtelard in Frankreich abgehalten wurde, stand unter anderem „das schlechte Gewissen“ als Hauptthema zur Diskussion, wozu auch der österreichische Psychotherapeut I. Caruso mit einem Vortrag beitrug.
Ein schlechtes Gewissen in moralisch zu bewertender Sicht, das aus der Unvollkommenheit der menschlichen Natur entspringt, wird von dem krankhaft schlechten Gewissen abgetrennt, welches das eigentliche Thema des Vortrags bildet. „Die ewige Spannung zwischen dem Ideal und unserer inneren Wirklichkeit kann zu einem Konflikt führen, der für das Ich, welches zwischen instinktiven Strebungen und seinem eigenen mehr oder weniger unbewußten Ideal hin-und hergezogen wird, schwer zu ertragen ist. Das ist dann die Neurose.“ Diese andrängende Spannung der verdrängten inneren Strebung verursache das schlechte Gewissen, das auch als Schuldgefühl erscheinen könne. Die Schuldgefühle sollen sich dann auch in einer Selbstbestrafung als Symptombildung Bahn brechen können. — Der Entstehungsgeschichte des kindlichen Gewissens wird nachgegangen, so wie sie Plaget beschreibt, mit einem ersten magischen Stadium, wo das Schuldgefühl von der Strafe durch die Umwelt geprägt wird und dem zweiten reiferen Stadium, wo es durch die Stellungnahme zu den inneren Regungen bestimmt wird. Indem nun der echte Grund des Schuldgefühls verdrängt wird, verschiebt sich auch die Selbstbestrafung und die ganze Aggressivität auf einen „Sündenbock“. Diese Verschiebung sei so häufig, daß der Verfasser von einem Sündenbock-Komplex spricht und dies weiterhin an eindrucksvollen Beispielen illustrieren kann.
Er hat in Wien Frauen untersucht, die 1945 bei Kriegsende vergewaltigt wurden.