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Wo immer der Volkswitz sich des Themas „Schwiegermutter“ bemächtigt — und er tut es eben nicht selten —, da geschieht es fast ausschließlich unter dem Leitbild des jungen Ehemannes, der gegenüber den Herrschaftsansprüchen seiner Schwiegermutter zur komischen oder auch tragikomischen Gestalt wird. Aber bevorzugte Themen des Volkswitzes sind meist zugleich Themen immer wiederholter menschlicher Problematik, mit der der Witz auf seine eigene Weise fertig zu werden sucht. Und die Problematik dieses speziellen zwischenmenschlichen Verhältnisses erweist sich als recht verzweigt, ihre Wurzeln vielfältig in der Tiefe der Triebstruktur verankert. Die Häufigkeit des Themas aber zeigt an, daß doch die Tatsache dieser Problematik weithin bewußt ist.
Dagegen findet eigenartigerweise das Verhältnis der jungen Frau zur Schwiegermutter bei weitem nicht die gleiche Beachtung. Keineswegs ist es weniger problematisch oder weniger konfliktreich; aber es scheint keine Möglichkeit zu bieten, ihm den befreienden Aspekt des Humors abzugewinnen. Tatsächlich zeigen die Konflikte zwischen Schwiegermutter und Schwiegertochter zumeist eine witzlose Verbissenheit und Abgründigkeit, die ihnen ein durchaus eigenes Gepräge gibt, und die ihnen innerhalb der großen Klasse zwischenmenschlicher Differenzen und Auseinandersetzungen eine Sonderstellung anweist. Der Begriff der „bösen Schwiegermutter“ scheint gar vorzugsweise auf dieses Verhältnis bezogen.
Der Gynäkologe erfährt des häufigeren davon, sofern er bereit ist, seinen Kranken nicht nur mit pathologisch-anatomischem, sondern auch mit menschlichem und psychologischem Verständnis zu begegnen und ihren Leiden auf den Grund zu gehen. Verfolgt man nämlich anamnestisch die Genese jener zahlreichen subjektiven Beschwerden und funktionellen Störungen des gynäkologischen Bereichs, das heißt des weiblichen Genitalapparates, die wir heute geneigt sind, als Organneurosen, also psychisch bedingte Funktionsstörungen oder Dystönien aufzufassen, so stößt man zume