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Als Enkopresis bezeichnen wir das spontane tägliche, seltener nächtliche Einkoten von Kindern, welches ursächlich nicht auf eine organische Erkrankung, sondern auf eine vegetative Dysregulation und damit meist ein abnormes seelisches Verhalten des Kindes zurückgeführt werden kann. Es verhält sich hierin analog dem Bettnässen des Kindes.
Die Entwicklungsgeschichte der Harn- und Geschlechtsorgane, insbesondere die Bedeutung der Kloakenfunktion, erklärt psychologisch wichtige Zusammenhänge, auf die zuerst Freud mit dem Begriff der Analerotik aufmerksam gemacht hat. Seit der genaueren Kenntnis der Reaktionsmöglichkeiten des vegetativen Nervensystems in Krankheit und Experiment wissen wir, daß aus gleicher Ursache in kurzen Zeitabständen ein gegensätzliches Organverhalten erklärt werden kann: So können sich bei einem Kind infolge einer seelischen Reaktion Enkopresis, Obstipation und Diarrhoen im Wechsel ablösen. Diese im Gegensatz zum Erwachsenen beim Kinde noch weiter gespannten Möglichkeiten erklären sich mit seinem noch sehr labilen vegetativen Gefüge.
Oda P., 3 Jahre. Ein sehr eigenwilliges, nachgeborenes Mädchen einer gefühlskalten Mutter; die im Gegensatz zum sehr mütterlichen und warmherzigen Kindermädchen nur wenig Interesse für ihr Kind aufbringt. Ständiges Einnässen und Einkoten des Kindes. Als dieses durch eine sechswöchige Klinikbehandlung behoben war, begann das Kind, das zu Hause ein unverändertes Verhalten seiner uneinsichtigen Mutter erlebte, über Tage obstipiert zu sein.
Es fällt beim Einkoten eines Kindes oft nicht leicht, Organisches sicher von Funktionellem zu scheiden. Wir müssen uns aber bemühen, Enkopresis und Enuresis von der organisch bedingten Inkontinenz zu trennen. Daß beim Einkoten von Epileptikern und Postencephalitikern der seelische Faktor eine wichtige Rolle spielen kann, zeigt folgender Fall:
Rosemarie I., 10 Jahre. Im Anschluß an einen sehr schweren Keuchhusten mit Pneumonie traten unklare Krampfanfälle auf, die lange Zeit als psychogene Re