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Seine Mutter hatte ihn mir als einen merkwürdigen Jungen, der einem Rätsel aufgibt, geschildert. Er sei gutmütig und ständig bemüht, es den andern rechtzumachen. Streiten würde er sich mit niemanden, weil er immer nachgebe. Auch die Lehrer hätten bisher seine unauffällige und entgegenkommende Art gelobt, lediglich über die mangelhaften und immer ischlechter werdenden Schulleistungen hätten sie zu klagen. Einmal habe ihn ein Klassenlehrer als stark gehemmt bezeichnet. Sein Vater beklage sich, weil er kein Junge sei, keinen Willen und keine Initiative habe. Sage man ihm, daß er lernen müsse, sitze er stundenlang in ein Lehrbuch starrend, ohne sich zu rühren. Wenn man ihn irgendwo hinstelle, könne man mit Sicherheit annehmen, daß er am Abend noch an derselben Stelle sei und kaum die Haltung verändert habe. Gerd habe keinen Kameraden, gehe nie zu den anderen Jungen auf die Straße zum Spiel. Früher habe er gern mit seiner Eisenbahn gespielt oder gebastelt, jedoch ganz für sich allein und wie ein viel jüngeres Kind. Die Mutter erzählte weiter, daß das Verhältnis zu den Eltern gut sei. Der um fünf Jahre jüngere Bruder und die noch kleinere Schwester seien gerade das Gegenteil. Diese Kinder seien lebhaft und gingen aus sich heraus. Sie könnten ihre Umgebung gewinnen und hätten auch beim Vater mehr Erfolg. Mehrmals betonte sie, daß Gerd schon immer ein braves, stilles Kind gewesen sei, über das man sich nie habe beklagen können.
Dann saß er mir gegenüber; für seine vierzehn Jahre schlank, groß und hochgeschossen, schmalschultrig und engbrüstig; sein Gesicht schmal und lang, blaß, mit leichten Schatten um die blauen Augen hinter geröteten Augenlidern. Trotz der Phase des Gestaltwandels konnte man ihn mit Sicherheit als leptosom bezeichnen. Auffallend waren seine langsamen Bewegungen, die einen glauben machten, er müsse sehr müde sein, denn jede Bewegung, auch das Sprechen, war ihm eine Mühe. Er lehnte schlaff und tief im Sessel und wartete, was ich von ihm wollte. Dabei spiel