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Freuds Traumdeutung braucht man nicht mehr zu referieren, und sie kritisch zu besprechen, würde ein eigenes neues Buch erforderlich machen. So kann man nur die erste Neuauflage nach dem Kriege anzeigen und begrüßen und vielleicht noch die höchst merkwürdige Sonderstellung dieses Buches in der psychologischen Literatur kurz kennzeichnen.
Ein halbes Jahrhundert ist seit der ersten Auflage vergangen. Es gibt kaum einen Gedanken dieses „aufreizenden“ Werkes, der seitdem nicht bestritten, aber auch kaum einen, der wirklich widerlegt wurde. „Es ist — selbstverständlich — ganz klar, daß die Träume durchaus nicht immer Wunscherfüllungen sind!“ — kann man in jeder Kritik lesen, und man will damit nicht die Ausnahmen erweitern, die Freud selbst angeführt hat, sondern die ganze Grundidee anzweifeln. Aber wenn man dann bei einem Traum, von dem man es gar nicht dachte, die Wunscherfüllung doch entdeckt, ist es ärgerlich. „Es stimmt nicht“, — aber bis heute hat noch keiner präzise angeben können, was nicht stimmt, und wie eigentlich der dauernd genannte „Kern“ der Freudschen Lehre aussieht, der als eine geniale Entdeckung „auch heute noch“ anzuerkennen ist. Meist liegt es so: mit Freud kommen sich die Analytiker einseitig und unkritisch vor, — gegen ihn fühlen sie sich erst recht nicht wohl. Die meisten Jungianer zum Beispiel wenden sich gai nicht präzise gegen ihn, sondern gehen an ihm vorbei —, was sie nicht ganz mit Recht „über ihn hinaus“ nennen.
Wenn ein Gedanke Freuds als zu einseitig, radikal oder eng verworfen wurde, bedeutete das immer erstaunlich wenig. Und es „traf“ auch immer nur sehr oberflächlich. Darum ist bis heute weder in der Freudschen Orthodoxie, noch bei den Kritikern eine klare und überzeugende „revidierte Freudsche Traumdeutung“ erschienen. Schultz-Henckes „Lehrbuch der Traumanalyse“, um ein recht nahe zu Freud stehendes und wichtiges Werk zu nennen, ist gewiß keine „korrigierte und auf den neuesten Stand