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Graphologie ist weitgehend Methodenlehre. Metaphysische Spekulationen — wie die Klagessche Lehre vom Geist als Widersacher der Seele — geben zwar scheinbare Begründungen einiger Methoden; aber diese Begründungen sind dem Gegenstand der Untersuchung entnommen und bleiben mit der Methode in einem nicht auflösbaren Zusammenhang. Andere graphologische Methoden — wir denken an Max Pulver, Robert Heiß u. Rudolf Pophal — verzichten auf metaphysische Hintergründe. Immer ist Graphologie „Deutung“, das heißt: der Graphologe gibt einem Stück der Schrift einen Sinn. Er ersetzt dieses Stück durch etwas, was damit als wichtiges Glied in der Kette der seelischen Aktionen erkannt und herausgehoben wird. Wie in der Traumdeutung „nicht der Traum als Ganzes sondern nur Teilstücke seines Inhalts zum Objekt der Aufmerksamkeit“1) gemacht werden, so wird ein Teil der Schrift mit Aufmerksamkeit beobachtet. So heißt Deuten: Teilstücke mit Sinn belegen, mögen diese auch noch so komplexe Bezeichnungen haben wie Rhythmus, Formniveau, Harmonie und so weiter. Weil aber Graphologie Deutung ist, werden von den verschiedenen Methoden verschiedene Teilstücke in den Vordergrund gerückt. Das ist die Ursache der zahlreichen graphologischen Lehren, deren Gemeinsamkeit auf der Erkenntnis beruht, daß Ausdrucksbewegungen seelische Zusammenhänge sichtbar machen.
Da es sich um evident verständliche Zusammenhänge handelt, nicht um kausallogische, so kann ein Maßstab des Einfühlens gewonnen werden, keine Regel der Ratio. An diesem Maßstab mißt die Graphologie einzelne Vorgänge. Regeln müßten der Sache selbst zugrunde liegen, also induktiv gewonnen werden. Das kann bei einer graphologischen Methode nicht der Fall sein, denn der Schrift liegt nur Schreibmaterial und Bewegung zugrunde. Sie muß Gegenstand verstehender Psychologie bleiben, so häufig auch ähnliche oder gleiche Zusammenhänge zwischen Schrifteigenschaften und Charaktereigenschaften konstatiert werden mögen.
Bei dieser Sachlage verwundert der Titel der g