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Historischer Überblick: Bis vor kurzem wurden Psychiatrie im allgemeinen und Psychoanalyse im besonderen bestimmt als: „Wissenschaften, die sich dem Studium und der Behandlung psychischer Erkrankungen widmen“. Neuerdings begannen aber viele praktisch gesinnte Denker und Forscher diese dehnbare Definition in Frage zu stellen. Erstens, was heißt „Psyche“? Ist sie der überbiologische Ausdruck einer nicht mehr faßbaren „Seele“, die nur den Menschen zukommt? Ist sie ein Bündel von Fähigkeiten, von psychologischen Abstraktionen, die man vage „Triebe“, „Gemütsbewegungen“ und „Wahrnehmung“ nennt, oder besteht sie aus topisch unterschiedenen Anteilen, genannt „Es“, „Ich“, „Über-Ich“ etc.? Oder bedeutet der Ausdruck „Psyche“ schließlich nur eine kategoriale Zusammenfassung von sämtlichen vegetativen und neuromuskulären Verhaltensweisen eines Menschen? Wenn sich aber diese Definition für die Praxis am bedeutungsvollsten erweist, können wir dann von einer „kranken“ Psyche sprechen? Oder nennen wir etwa das „Geisteskrankheit“, was einem im Verhalten eines Anderen stark von den Gepflogenheiten einer bestimmten Zeit, Gegend und Kultur abzuweichen scheint? Und, angenommen es sei so, weshalb benimmt sich der Andere derart, und weshalb urteilt der Beobachter auf diese Weise?
Mystizismus und Magie: Fragen wie diese haben wohl die Menschen schon lange, bevor sie sie in Worte fassen konnten, beunruhigt. Jedenfalls scheinen unsere Vorfahren darauf jahrhundertelang immer wieder die gleichen verblendeten, tastenden und selbstbetrügerischen Antworten gefunden zu haben. Der Primitive, der der erschütternden Realität seiner Hilflosigkeit, Einsamkeit und ständiger Bedrohung durch Leid und Tod noch beängstigend nahestand, entwickelte wohl die tiefgreifendsten Abwehrmechanismen gegen diese Ängste: erstens hegte er das Vorurteil, unverwundbar und unsterblich zu sein, zweitens verherrlichte er die Sexualität, die ihm verzückte Augenblicke vertrauenden Einsseins mit einem anderen Menschen im quasi-g