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Sprechen wir vom inneren Halt, so haben wir zwei Fragen auseinanderzuhalten: Was gibt dem Menschen Halt? — und: Wie muß der Mensch beschaffen sein, damit ihm etwas Halt geben kann? — Jaspers fragt in seiner „Psychologie der Weltanschauungen“ nach dem, woran Menschen Halt finden in den Grenzsituationen des Lebens, und kennzeichnet damit verschiedene Geistestypen. Unsere Frage geht in die andere Richtung: Wie kommt der Mensch dazu, an etwas Halt zu gewinnen, und wie läßt es sich aus seiner inneren Verfassung verstehen, wenn sein Halt ein schwacher und hinfälliger bleibt selbst in der Begegnung mit dem Haltgebenden?2
Die Frage nach derjenigen inneren Verfassung des Menschen, welche Halt gewährleistet, wird zunächst beantwortet mit dem Hinweis auf die ererbte Konstitution, auf die gegebene Veranlagung. Der eine Mensch hat mehr Halt, der andere weniger, wie der eine eben mehr an Intelligenz, Gedächtnis oder Phantasie aufzuweisen hat als der andere. Erfahrungen mit haltschwachen Menschen können einem die Vermutung nahelegen, es sei der Halt eine konstitutionelle Konstante und als solche insbesondere auch von der Erziehung einfach hinzunehmen. Allein, von dieser Auffassung haben wir uns bereits distanziert mit der Frage, wie ein Mensch „dazu komme“, an etwas Halt zu gewinnen. Wir sehen auf der einen Seite, nicht nur von der Anlage, sondern vom Menschen überhaupt unterschieden, das Haltgebende, und auf der andern Seite den Menschen, der den Halt sucht. Damit ist schon gesagt, daß wir in den Gegebenheiten der Anlage nur den Ausgangspunkt dieses Suchens sehen, den Weg aber als einen sich entfernenden und das Ziel als ein unterschiedenes vom bloß Gegebenen. Uns Erziehern will eben die andere Erfahrung nicht aus dem Sinn, daß mancher Mensch seinen Halt verloren hat, weil er sich nicht um ihn gekümmert, nicht um ihn Sorge getragen, und daß mancher ihn nicht findet, weil er ihn am falschen Orte oder auf falsche Weise gesucht hat. Und so erscheint uns der Halt als etwas, für das ma