You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Auf der Höhe seines Lebens erwarb sich Platon den Hain des Heros Akademos nahe Athen und gründete dort seine Philosophengenossenschaft. Damit entrückte er das sokratische Marktgespräch dem Zufall der Begegnungen und gab dem Gehalt und der Gestalt seiner Lehre und seines Lehrens jene rechtlich konkrete Form einer freien Paideia, die auch seinen Tod überdauern konnte. Platon starb 347 v. Chr. im 81. Lebensjahre, die Akademie selbst wurde 529 durch Justinian aufgelöst, aber ihr Bild ging unverlierbar schöpferisch durch die Zeiten, als der „höchsten Form und dem ewigen Vorbild aller Kultur-, Erziehungs- und Lebensgemeinschaft, dem Inbegriffe jeder Gemeinschaft sich verständigender Menschen“ überhaupt (Julius Stenzel). Sie hat nicht nur den geistigen Bau der abendländischen Universitäten beeinflußt und ist immer deren innerster Kern geblieben, sie hat etwa in der Renaissance Nachahmungen gefunden, der Traum einer Republik der Gelehrten wirkt in der Vision der Abtei Thélèm des Rabelais nach und er gehört zum Besten der heimlichen Sehnsucht auch unserer Zeit. Wir bauen keine Kathedralen mehr, aber alles reift auf die Stunden zu, wo der Neubau der platonischen Akademie unter gesamtmenschheitlichem Aspekt und mit den leidvollen Erfahrungen unserer Geschichte in einer neuen Synthese wieder in Angriff genommen wird. Mit zu den Voraussetzungen dieser Planung gehört wohl auch eine kulturgeschichtliche Überschau all der konkreten und visionären Auswirkungen der platonischen Gründung; wunderlich genug, daß eine solche, die einigermaßen befriedigen könnte, bisher noch fehlt. Es ist auch schwer, das Eigentliche dieses Urbildes anzugeben, das im Laufe der Zeiten sich ebensowohl vertiefte wie verbreiterte, aber es entsteht mit Platons eigenen Worten immer wieder „plötzlich in der Seele wie ein von springenden Funken entfachtes Licht, das sich dann bereits selber nährt, sobald es einmal geworden ist“. In unserer Zeit sind wiederholt Versuche solcher Zentren des Gesprächs und der Begegn