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Die Daseinsanalyse ist weder Philosophie, noch ist sie an sich ein psychotherapeutisches Verfahren. Sie ist eine neue, empirische Forschungsmethode oder Betrachtungsweise. Für die Psychologie und Psychiatrie ist sie aus zwei Gründen von kaum zu überschätzender Bedeutung. Einmal zwingt sie unser Denken und ermöglicht es ihm zugleich, die gedanklichen Voraussetzungen und Grundvorstellungen dieser Wissenschaften auf ihre Angemessenheit an das Wesen des Menschen hin zu untersuchen. Zum anderen gibt sie aber auch der konkreten psychologischen und psychiatrischen Forschung ganz neue Impulse und eröffnet ihr bisher völlig verdeckte Fragestellungen. Diese ihre doppelte Bedeutung gründet in ihrer einfachen Forderung, von allen mitgebrachten theoretischen Abstraktionen und gedanklichen Konstruktionen abzulassen und zu den unmittelbar gegebenen Erscheinungen zurückzukehren. Die Dinge und Menschen sollen uns von ihnen selbst her, aus der ihnen je eigenen Weise ihres Erscheinens heraus von ihrem Wesen Kunde geben.
Wie aber verfuhren demgegenüber das Denken und Fragen der bisher maßgeblichen Psychiatrie und Psychologie mit den Gegenständen ihrer Untersuchungen, mit den seelischen Phänomenen des Menschen? Offensichtlich gingen diese beiden Wissenschaften von genau denselben geistigen Voraussetzungen aus, auf denen schon die technisch so erfolgreichen Naturwissenschaften ihr Denkgebäude errichtet haben.
Das technisch-naturwissenschaftliche Denken jedoch entspringt dem Glauben, die ganze Welt und ihr Getriebe sei nichts anderes als eine Anhäufung von vorhandenen Gegenständen, die gegenseitig aufeinander einzuwirken vermöchten, die untereinander in einem vorausberechenbaren Wirkungszusammenhang stünden. Alles, was ist, wird lediglich als ein wirkend Bewirktes vorgestellt. Es ist unabwendbar, daß das einer derartigen vorwissenschaftlichen Grundidee entstammende wissenschaftlich-kausale Denken sein Gewicht immer mehr auf das Wirken und Bewirken von irgend etwas, um der bloßen Wirkung ode