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Die Geschichte der Psychosomatik ist ein Teil der Kulturgeschichte. Sie zu kennen, ist für den werdenden und forschenden Arzt in vieler Richtung von Vorteil; u. a. würde dieses Wissen eine Reihe von Publikationen ersparen, deren „Neuheit“ keine Neuigkeit ist. Ferner gibt die historische Kenntnis Zugang zu wesentlichen Problemen der Soziologie und Geisteswissenschaft. Wir wollen keinen Versuch in dieser Richtung machen, aber zu seiner Durchführung anregen. Lediglich soll aus dem Gebilde „Psychosomatik“ eine der vielen Linien dargestellt werden, die historisch für die Klärung der heute aktuellen Problematik der Psychosomatik überhaupt und der „Organpsychose“ (Meng) im Speziellen von Bedeutung ist. Daß wir hierin von einem bestimmten Tatbestand des 19. Jahrhunderts ausgehen, der zur Psychoanalyse führte, ist sachlich in der Grundkonzeption der Psychosomatik begründet, wie auch der Namengeber der Organpsychose auf Grund seiner psychoanalytischen Beobachtungen den Begriff aufgestellt hat.
Wir sehen in S. Freud den Initiator einer Denkweise, die für die Entwicklung der Medizin im 20. Jahrhundert von entscheidender Bedeutung wurde. Der dreißigjährige Wiener Spezialist für Gehirnanatomie, Neurologie und topische Diagnostik, Dozent für Neuropathologie wird 1886 bei seinem Pariser Studienaufenthalt von Charcot in seinem Denken stark beeindruckt. Der große französische Neurologe ist tief verankert in der pathologischen Anatomie, aber auch der Hypnotismus erweckt sein hohes Interesse. Bei den Demonstrationen artifiziell hysterisierter Kranken in der Salpětrière wird die Psychogenese zum klinischen Problem. Charcot und Freud beobachten dieselben Phänomene. Die Denkweise Charcots läßt den Meister die Oberfläche der Genese der Symptome beschreiben. Er drückt auf das Ovarium und zaubert das Symptom herbei. Bei Freud, dem Skeptiker und intuitiven Beobachter