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Auch in diesem neuen Werk C. G. Jungs geht es um die zentralen Themata seiner Psychologie, um Wandlung und Selbstwerden des Menschen, die unter den besonderen Aspekt der bildnerischen und künstlerischen Gestaltung gesehen werden. Ein erster Aufsatz ist betitelt „Psychologie und Dichtung“. Dichtung und Kunstwerke sind unter dem Aspekt der schöpferischen Bildwerdung als Urvision aufzufassen. Die Fülle der Gesichte einer jenseits des Tagesbewußtseins liegenden Sphäre kommt im Kunstwerk zum Ausdruck. Mit dieser Auffassung rückt Jung von den psychoanalytischen Versuchen einer Erklärung des Werks aus der persönlichen Psychologie des Schöpfers ab, wodurch die Urvision zu einem bloßen Symptom würde. Am schöpferischen Menschen läßt sich nur das, was an ihm Mensch ist, aus seiner persönlichen Anamnese verstehen, als Künstler ist er nur aus seiner schöpferischen Tat zu begreifen. Das Auftauchen der Urvision steht in tieferer Beziehung zur zeitlich-geschichtlichen Situation; gerade da tritt sie in Erscheinung, wo für die Menschheit die Gefahr des Betretens von Irrwegen besteht. So stellt die Vision von Goethes Faust den zu bedrohlicher Göttergroße angewachsenen, vom moralischen Problem aber unberührt gebliebenen neuzeitlichen Menschen dar, der zur Einigung mit der mütterlichen Sophia geführt wird. — Alle dramatische Dichtung vollzieht sich als Veranschaulichung von Bildern, die seelischen Wandlungsvorgängen entsprechen und durch Spannungen, Todesängste und Peripetien zu neuer Geburt führen.