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Wer mit dem Namen Theodor Reik die Vorstellung der „alten Garde“ Freuds verbindet, also seiner engsten und treuesten Mitarbeiter, der stutzt, sobald er einen Blick in das Inhalts-Verzeichnis des Buches geworfen hat. Da stehen als Kapitel-Überschriften lapidare Sätze wie etwa „Sublimierte Sexualität gibt es nicht“ oder „Es gibt keinen sexuellen Ursprung der Neurose“ — Behauptungen, die mit der klassischen Lehre Freuds unvereinbar sind. Es bestätigt sich denn auch bei der Lektüre, daß der Verfasser die ursprüngliche Psychoanalyse zu einer „Neo-Psychoanalyse“ weiterentwickelt hat. Er sagt darüber: „Ich habe der Erneuerung der Psychoanalyse diesen Namen gegeben, dieser Erneuerung, die gleichzeitig eine Überprüfung und eine Neubewertung der Freudschen Theorien bedeutet. Die Neo-Psychoanalyse ist in bestimmter Hinsicht eine Fortsetzung der Freudschen Arbeit, in anderer Hinsicht ein Ersatz für sie. Sie ist eine Revolution innerhalb einer Revolution, Es war kein Zweifel, daß die neo-psychoanalytische Forschung ihre Arbeit begann mit dem Studium des Ursprungs und des Charakters der Liebe im Unterschied und im Gegensatz zur Sexualität. Wir werden uns diesem Thema wieder zuwenden, nachdem wir Freuds Libidotheorie besprochen haben, diese erstaunliche Fehldeutung, welche die Psychoanalyse der Welt geboten hat.“
So ist seine Stellung klar, und es wird ohne weiteres ersichtlich, welches die Haupt-Angriffspunkte Reiks sind, der, trotz aller Kritik an Freud, seine frühere Gefolgschaft nicht verleugnet und seine Bewunderung für seinen großen Lehrer immer wieder versichert. Schon in seiner Wiener Zeit ein äußerst fruchtbarer Autor, dem das psychoanalytische Schrifttum sehr markante Publikationen verdankt (u. a. „Der eigene und der fremde Gott“, „Geständniszwang und Strafbedürfnis“, „Das Ritual“, „Wie man Psychologe wird“), hat er auch in USA eine Anzahl von Büchern veröffentlicht, von denen nun das erste in