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Im Jahr 1940, als die 1. Auflage dieses Buches herauskam, fand in Wien jene denkwürdige, vnn Professor Göring inszenierte Tagung der Deutschen Allgemeinen Ärztlichen Gesellschaft für Psychotherapie statt, an der Aichhorn wohl teilnehmen, aber nicht sprechen durfte. Sozusagen an seiner Stelle ließ sich ein Münchener Lehrer, Kurt Seelmann (einer der Mitherausgeber des vorliegenden Buches), über pädagogische Probleme aus. Als Teilnehmer an der Tagung war ich höchst verblüfft, vom erwähnten Referenten Dinge vorgetragen und als neueste Errungenschaften angepriesen zu hören — und zwar so, als ob sie erst unter dem Obwalten des damaligen politischen Regimes überhaupt möglich gewesen wären —, die wir seit 25 Jahren kannten und worüber wir nicht nur längst im klaren waren, sondern darüber auch Aufsätze und Bücher gelesen (oder verfaßt) hatten. Ich denke dabei an neue pädagogische Bestrebungen, wie Kunkel sie in den 20er Jahren in der Buchreihe „Künftige Ernten“ propagierte und wie sie früher schon von der Berliner „Schulreform“, von Wiener pädagogischen Zeitschriften, vor allem aber von der „Zeitschrift für psychoanalytische Pädagogik“ vertreten wurde. Als ich mein Staunen Aichhorn mitteilte, lächelte er und wies, es war in der Trambahn, auf eine Aufschrift, die lautete: „Die Hitler-Jugend macht Damen und Greisen Platz!“ (oder so ähnlich). „Die meinen auch, sie hätten's erfunden!“ sprach er. Es schien System darin zu liegen, etwas als neuerfunden darzustellen, was längst bekannt war und längst von anderen Leuten praktiziert worden war.
In der Neuauflage der „Wege zur Erziehungsbeihilfe“ sind einige Veränderungen vorgenommen worden. Einzelne Artikel oder Stellen, die nicht in die Jetztzeit paßten, wurden ausgemerzt und dafür anderes hereingenommen, was die Fortschritte der Münchener Erziehungsberatungsstellen nachweist.
Leider wurde unterlassen, Irrtümer auszumerzen wie: „Das entscheidend Neue der Seifschen Erziehungsberatungsstellen war, daß sie aus den Erkenntnissen der Tie