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Welche Bedeutung Probleme der Psychosomatischen Medizin im heutigen ärztlichen Denken gewonnen haben, wird auch in dieser Arbeit des Freiburger Pathologen sichtbar. Die Wirksamkeit psychologischer Faktoren auf somatische Erkrankungen engt er von seinem Fachgebiet her ein, und seinem Hinweis z. B. auf angeborene Leiden sowie auf die
Somatogenie psychischer Phänomene wird niemand widersprechen. Daß von der Pathologie her die Wirksamkeit der analytischen Psychotherapie anerkannt und auch hier die Einführung des Subjektes in die Mezidin gefordert wird, zeigt einen beträchtlichen Wandel im bisher üblichen Bild von Menschen. Wenn aber in dem anerkannten leibseelischen Simultangeschehen des menschlichen Daseins Tätigkeiten des Subjektes erscheinen, die über die Kategorien des bewußtseinspsychologischen Denkens hinausgehen, dann gibt es für den Verfasser und in der Kritik der exakten Wissenschaft nur eine „unmißverständliche Abkehr“. Wir sind der Meinung, daß empirische Ergebnisse tiefenpsychologischer Forschung nicht autoritativ abgelehnt werden können, weil sie als „Sinndeutung krankhafter somatischer Symptome“ mißverstanden werden.
Wir stimmen mit dem Verfasser darin überein, daß Deutungen, wenn überhaupt, nur einen hypothetischen Wert besitzen. Aber es erscheint verfehlt, Tatsachenmaterial deshalb abzulehnen, weil es in dem festgelegten wissenschaftlichen Weltbild des Ablehnenden keinen Platz haben kann. Die Verarbeitung z. B. der drei ausführlichen Krankengeschichten Mitscherlichs über den Diabetis insipidus kann wohl nur aus dieser Einstellung heraus als Deutung bezeichnet werden.
Es wird eine wichtige Aufgabe der Psychosomatischen Medizin sein, in größerem Maße detaillierte Krankengeschichten zu publizieren, um der autoritativen und affektiven Ablehnung immer wieder empirisches Material gegenüberzustellen. Ob es allerdings gelingen wird, dadurch den Abwehrmechanismus der Vertreter der Wissenschaft zu überwinden, darf nach den bisherigen Erfahrungen fraglich erscheinen