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Franz Alexander und seine Mitarbeiter am Psychoanalytischen Institut in Chicago (1, 2, 3, 8, 10, 11) waren die ersten, die Untersuchungen über die tiefenpsychologischen Motive der Magen- und Darmgeschwüre durchgeführt haben. Schon 1934 hatten sie gewisse charakteristische Eigenschaften der ULkuskranken festgestellt. Wie Napoleon oder Mussolini, die beide an Geschwüren gelitten haben sollen, zwingen sich solche Kranken zur Aktivität, zur Unabhängigkeit und streben nach sichtbaren Triumphen. Ein tief ergehendes psychologisches Studium aber führte Alexander und seine Mitarbeiter zur Aufdeckung unbewußter Tendenzen von entgegengesetztem Sinn, nämlich zu Passivität und Abhängigkeit. Diese letzteren verursachen all jene Schwierigkeiten, die man häufig bei Ulkus-Kranken im Berufsleben beobachtet.
Alexander folgend habe ich dieselben Ambivalenzen auch im Liebesleben der Ulkus-Kranken aufgewiesen. Ein recht gutes Beispiel dafür ist der Filmschauspieler Valentino, der an einem Ulkus starb. Äußerlich gesehen vergötterten ihn die Frauen derart, daß bei seinem Tode nicht weniger als 40 000 die polizeiliche Absperrung durchbrachen, um an seinem Sarge zu weinen. Aber dieses Frauenidol war in seinen beiden Ehen und in seinen meisten Liebesaffären ein unglücklicher Mann.
Bei der analytischen Behandlung von Ulkus-Kranken findet man als wichtigen aktuellen Konflikt häufig eine intensive sexuelle Frustrationssituation. So hatten beispielsweise von sieben Männern, die ich analysierte, zwei sich nur verheiratet, um ihren Eltern zu gehorchen, und zwar mit ihnen unangenehmen Frauen, die außerdem den Geschlechtsverkehr nur widerwillig duldeten. Zwei weitere hatten keine sexuellen Beziehungen zu ihren Ehefrauen und Schwierigkeiten in außerehelichen Liebesbeziehungen. Die Frau des fünften war frigid, er selbst hatte eine Geliebte, die intime Beziehungen zu einem anderen Mann aufrecht erhielt. Die Frau und die Braut der zwei übrigen klagten über die sexuelle Ungeschicklichkeit der Patienten. Ein