You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Im Folgenden soll gefragt werden, ob wir heute in der Lage sind, auf Grund der Kenntnis der Neurosestrukturen etwas wie eine neurosenspezifische Anwendung der psychoanalytischen Methode angeben zu können, und wie eine solche jeweils bei den verschiedenen Neurosen auszusehen habe. Die Grundlage der psychoanalytischen Technik ist im Laufe der Jahrzehnte nicht wesentlich verändert worden: wir lassen heute noch, wie dies Freud als das Angemessenste empfahl, unsere Patienten sich entspannt hinlegen und fördern sie auf, in dieser Lage „frei zu assoziieren“, alles mitzuteilen, was ihnen dabei durch den Kopf geht — Gedanken, Bilder, Gefühle, Erinnerungen, Körpersensationen — kurz, alles, was sie im Daliegen erleben. Unsere Erwartungsvorstellung ist dabei, daß dieses lockere Assoziieren wie nach dem Gesetz einer seelischen Schwerkraft auf die Erlebniskomplexe hinzielt, die im Kranken nicht verarbeitet sind und daher pathogen wirken, daß im Assoziieren und Wiedererinnern, Wiederbeleben solche Inhalte ins Bewußtsein gehoben und nun verarbeitet werden können. Eine weitere Erwartungsvorstellung ist, daß es dabei wesentlich auch zum Wiedererinnern vergessener, verdrängter früher Erlebnisse kommt und damit nicht erledigte seelische Konflikte nachträglich verarbeitet und aufgelöst werden können. Eins der wichtigsten Hilfsmittel ist der Traum und die zu ihm gebrachten Assoziationen, in manchen Fällen auch das Malen und Zeichnen der Patienten. Nehmen wir noch die Haltungsanalyse hinzu — das direkte Ansprechen des Patienten auf seine ihm meist unbewußte Haltung hin, auf seine allmählich zur Gewohnheit gewordenen Verhaltensweisen —, so haben wir das technische Rüstzeug des Psychoanalytikers im wesentlichen beisammen. Je nach der Eigentümlichkeit des Therapeuten werden diese technischen Möglichkeiten mit verschiedener Akzentuierung angewendet, aber kaum einer wird auf eine dieser Möglichkeiten ganz verzichten.
Diese Technik wurde nun in den älteren Zeiten der Psychoanalyse praktisch ohne