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Wir stehen mit der Aufgabe einer Anthropologie als Lehre vom Wesen und den Sinn-Zusammenhängen des menschlichen Daseins noch ganz am Anfang. Die Arbeit, die uns damit zufällt, wird schwer und langwierig sein und ein Zusammenwirken aller Kräfte erfordern. Im Rahmen dieser Arbeit fällt der Medizin eine bedeutsame Rolle zu: Sie kann verlangen, schon bei den Voraussetzungen gehört zu werden, von denen die Versuche, eine solche Anthropologie zu begründen, ausgehen, und sie kann dazu beitragen, bestimmte Begriffe zu klären, die für den Aufbau einer solchen Lehre unerläßlich sind.
Wenn man z. B. bei dem anthropologischen Ansatz glaubt voraussetzen zu können, das menschliche Dasein sei eine sinnvolle in sich zusammenhängende Einheit, in dem alles, was zu diesem Dasein gehört, eine einsehbare Bedeutung für den Sinn des Ganzen habe, so muß die Medizin bereits widersprechen. Eine solche Formulierung entscheidet nämlich schon vor jeder Prüfung, daß auch die Krankheit einen Sinn für das menschliche Dasein haben müsse. Die Medizin hat aber darauf zu bestehen, daß die Voraussetzungen für eine anthropologische Methode so weit gefaßt werden, daß mit ihnen noch keine Vorentscheidung über die Frage nach dem Sinn oder Widersinn menschlicher Krankheit getroffen wird.
Darüber hinaus werden die Begriffe „Einheit“, „sinnvoll“ und „sinnwidrig“ häufig sehr leichtfertig gehandhabt, was nicht dazu beiträgt, ihre entscheidende Bedeutung für das Erfassen von Zusammenhängen des Lebens zu erhellen. Hier aber kann die Medizin wesentliche Aufschlüsse geben: Sie kann uns zeigen, daß es verschiedene „Stufen“ oder „Ebenen“ des Lebens gibt, und daß die Begriffe „sinnvoll“ und „sinnwidrig“ auf jeder dieser Stufen eine andere konkrete Bedeutung erhalten. Sie kann uns weiter lehren, daß von „sinnvoll“ und „sinnwidrig“ überhaupt nur dann gesprochen werden kann, wenn wir eine Erscheinung im Rahmen der Einheit eines konkreten Leistungsgeschehens betrachten; denn