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Speers 1938 in erster Auflage erschienene kleine Schrift ist nach mehr als einem Jahrzehnt in fast unveränderter Neuauflage erschienen. Speer wandte sich bereits zu einer Zeit, als die Psychiatrie noch in scharfer Ablehnung gegenüber den Forschungsergebnissen Freuds und seiner Schüler stand, mit Aufgeschlossenheit der aufkommenden psychoanalytischen Bewegung zu. Sein besonderes Anliegen war stets, das neurotische Geschehen auf den Hauptnenner einer Kontaktstörung zu bringen, also die zur Isolierung führende Unfähigkeit zur mitmenschlichen Beziehung und zur familiär-sozialen Einordnung zu unterstreichen, wobei er als den entscheidenden Faktor eine den Neurotiker kennzeichnende „Störung der Erlebnisverarbeitung“ ansah.
Diese auch aus Speers sonstigen Schriften bekannten Gedankengänge werden im 1. Teil („Vom Wesen der Neurose“) in 7 Kapiteln ausführlich dargestellt:
1. Die Störung der Erlebnisverarbeitung; 2. Die Verfemung der Neurose; 3. Das Leid in der Neurose; 4. Die Schuldfrage in der Neurose; 5. Der Erholungswert der Neurose; 6. Die Absonderung; 7. Das Wesen der Neurose, dargetan in ihrer Geschichte.
Der nicht ganz verständliche Ausdruck „Erholungswert der Neurose“ (5. Kapitel) will besagen, daß der in jeder Neurose sich findende regressive Zug, also das Ausweichen vor einer als unerträglich erlebten Gegenwart in eine besonnte Vergangenheit, nicht nur negativ zu wertenden Fluchtcharakter hat, sondern zugleich auch Erholung im Sinne einer schöpferischen Pause darstelle.
Im 2. Teil („Von den Erscheinungsformen der Neurose“) bespricht Speer einzelne ausgewählte Bilder: die Zwangsneurose, die Sucht, die Reifungskrisen und die sogenannten Organneurosen. Die ganze Darstellung ist lebendig und anschaulich und durch eindrucksvolle Krankengeschichten belegt, wobei besonders hervorgehoben sei, daß Speer sich ständig auch um den Sinngehalt der von ihm geschilderten Tatbestände bemüht (C. G. Jung, Bjerre u. a.). Druck und Ausstattung haben wieder — im Gegensatz zur 1. Kriegsausga