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In dieser Zeitschrift trotz der in Heft 10 und 11 des Jahrgangs V gegebenen Ausschnitte nochmals auf Zulligers neuestes Buch aufmerksam zu machen, scheint eine Pflicht. Es gibt in der psychoanalytischen Literatur nicht allzu viele Dokumente von derartiger Beobachtungsgenauigkeit und noch weniger von solch einer faszinierenden Darstellungskunst des Beobachteten; und fast gar keines, in dem die Alltagswelt des Kindes in Familie, unter Geschwistern, in Schule, Kumpan- und Bandenverhältnis so unmittelbar zum Inhalt wird. Zulliger ist der geniale Zuschauer und Mitspieler, dem sich all das wie von selbst eröffnet, und das ist eine ganz andere Fähigkeit als jene, in der die Wirklichkeit nach einem Denkschema, nach einer Theorie betrachtet und dann, wo sie sich nicht fügt, monoman vergewaltigt wird. Zulligers Lebenswerk und darin auch besonders dieses Buch gehört zu den überzeugendsten Dokumenten dafür, daß die psychoanalytische Theorie aus einer genialen Aufmerksamkeit für Wirklichkeit hervorgegangen ist, daß diese am Anfang stand und nicht eine verfrühte Abstraktion. Er bestätigt dies in vielem dadurch, daß er an Orten findet, an denen zahllose Beobachter unberührt vorübergingen.
Für den eigentlichen Kenner der Entwicklungsgeschichte der Psychoanalyse ist Zulligers Auffassung, daß eine Kinderpsychotherapie „ohne Deuten unbewußter Inhalte“ möglich ist, äußerst anregend. Er beweist damit, was Analytiker, die mit intellektuell ungeschulten, „einfachen“ Menschen gearbeitet haben, immer wieder in überzeugender Deutlichkeit bestätigt fanden, daß nämlich schon das Annehmen und Beachten unbewußter Inhalte durch den Analytiker einen entlastenden Einfluß hat. Häufig ist es nicht möglich, Menschen zu einer reflektorischen Selbsteinsicht zu bringen; aber die Möglichkeit, ihre unbewußten Triebspannungen, Phantasien so weit an die Oberfläche zu bringen, daß sie sie aussprechen können, genügt etwa schon, ihnen einen Weg zu bahnen, der sie nicht mehr zur „symbolischen“ Vergewaltigung eine