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Als die Bauleitung in Babylon merkte, daß die Weiterführung des großen Unternehmens durch merkwürdige Mißverständnisse gefährdet war, die sich zwischen den verschiedenen Arbeitsgebieten des Turmbaus zu häufen begannen, berief sie einen Kongreß ein. Dort hielten nacheinander die Architekten, die Ingenieure, die Ziegelbrenner, die Mörtelbereiter, die Künstler und die verschiedenen Handwerker Vorträge über die neuesten Errungenschaften ihrer Fächer. Es war ein großes Ereignis; denn in jedem Fach ergriff ein hervorragender Vertreter das Wort. Man stellte fest, daß sich in jedem einzelnen Fach ganz ungeahnte neue Ausblicke auftaten, Ausblicke, die nur von dem jeweiligen Fach, aber nicht von einem anderen vermittelt werden konnten. Daher war für die Formulierung der verschiedenen Spezialkenntnisse eine besondere Sprache erforderlich. Man war sehr beeindruckt, und auch Seher und Deuter des Vogelfluges sprachen von dem Anbruch eines neuen Zeitalters, in welchem das alte einheitliche Weltbild durch eine Vielzahl unzusammenhängender Weltansichten abgelöst werden würde. Die Begeisterung über die Aussicht auf eine derartige Erweiterung menschlicher Einsicht in die Geheimnisse der Wirklichkeit war so groß, daß man darüber die Weiterführung des Turmbaues schließlich vollständig vergaß. Der Turm zerfiel und die Geschichte berichtet nichts darüber, was aus dem neuen Weltbild geworden ist. Vielleicht konnten sich die Chronisten nicht über die Sprache einigen, in welcher die Berichte seit diesem Ergebnis abgefaßt werden sollten. Die Nachwelt aber mit ihrer Neigung die Dinge zu vergröbern nannte dieses Ereignis später die babylonische Sprachverwirrung.
Die Lektüre des Sammelbandes mit dem Titel „Die neue Weltschau“ macht es einem schwer, die Frage zu unterdrücken,