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Der Münsterer Pathologe Siegmund wirft hier einen umfassenden Blick auf die gegenwärtige Medizin, von ihren modernsten naturwissenschaftlichen Ergebnissen bis hinüber zur psychosomatischen und anthropologischen Problemstellung. Dahinter steht nach Auswahl und Schwerpunktbildung die persönliche Anschauung Siegmunds. Das wohlumrissene, nach Organen und Systemen geordnete Einteilungsprinzip des Krankheitsbildes ist in einer Wandlung begriffen: Diabetes, Gicht, Avitaminosen, Hypertonie u. a. m. sind nicht lokalistisch und vom Begriffssystem der pathologischen Anatomie her einzuordnen. Die funktionelle Pathologie, die Regulationspathologie von Grothe und v. Neergard stellen das reaktive Verhalten der lebendigen Substanz gegen Umwelteinflüsse in den Mittelpunkt; die Relationspathologie Rickers entthront die Selbständigkeit der Zelle, die Neuralpathologie spricht dem ubiquitären nervösen Geschehen die beherrschende Rolle zu. Siegmund schwebt darüber hinaus eine umfassende Korrelationspathologie ganzheitlich funktioneller Systeme vor, in welcher Kategorien wie Ganzheit und Gestalt und, damit zusammenhängend, Selbsterhaltung, Regulation, Vermehrung und Selbst-reproduktion einen wissenschaftlichen (nicht naturphilosophischen) Ort erhalten. Eine solche Korrelationsdynamik, in der jede Einzelursache in einen bereits in Gang befindlichen Ablauf von Geschehensketten eingereiht ist, erfordert neue Denkformen, Sehweisen. Am gegenwärtigen Stand der Krebsforschung und am Problem der vegetativen Regulationen werden die Unzahl der Einzelbefunde souverän in größere Zusammenhänge geordnet und vom Gesichtspunkt der Korrelationsdynamik aus behandelt.