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Das interessante, aus einer öffentlichen Vortragsreihe entstandene Werk des theoretischen Physikers geht einer Grundfrage nach, die zwischen Biologie und Physik hin- und herspielt: Lassen sich die Vorgänge in Raum und Zeit, welche innerhalb der räumlichen Begrenzung eines lebenden Organismus vor sich gehen, durch Physik und Chemie erklären? Schrödinger bejaht diese Frage grundsätzlich, wenn auch nicht auf der Basis der heutigen Chemie und Physik. Die Anordnung der Atome und deren wechselseitige Beziehung in den lebenswichtigen Teilen eines Organismus unterscheiden sich im Bezug auf den statistischen Gesichtspunkt sehr wesentlich von allen Atomanordnungen, welche die Physiker und Chemiker bisher zum Gegenstand ihrer Forschung gemacht haben. Man kann sich nicht wie der Biologe vor etwa 30 Jahren auf den Standpunkt zurückziehen, daß die vielatomige Struktur aller biologisch wesentlichen Vorgänge vor einzelatomigen Zufälligkeiten (z. B. Wärmebewegung) schützt. Heute wissen wir, daß unglaublich kleine Atomgruppen eine beherrschende Rolle in den so geordneten und so gesetzmäßigen Vorgängen innerhalb eines lebendigen Organismus spielen: Atomgruppen, die viel zu klein sind, um exakte statistische Gesetzmäßigkeiten erkennen zu lassen. Sie lenken die beobachtbaren großmaßstäblichen Merkmale, welche der Organismus im Laufe seiner Entwicklung erwirbt, sie bestimmen wesenhafte Eigenheiten seiner Funktionsweise, und in all dem treten sehr strenge und scharfe biologische Gesetze zutage. Das gilt besonders für die modernen Forschungsergebnisse der Genetik. Biologen und Physikern ist es gelungen, die obere Grenze der „Größe“ der Struktur eines Gens so weit unter frühere Schätzungswerte herabzudrücken, daß die Genstruktur aus einer verhältnismäßig kleinen Anzahl von Atomen zu bestehen scheint. Diese Zahl ist statistisch viel zu klein, um ein geordnetes Verhalten nach den Gesetzen der statistischen Physik zu bedingen, und trotzdem entfaltet das Gen eine höchst regelmäßige und gesetzmä