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Verfasser gibt zunächst eine Literatur-übersicht
über den kindlichen Mutismus, den Kussmaul 1877 erstmals als Aphasia volontaria erwähnte. An zusammenfassenden Arbeiten weist er auf Spieler (Schweigende und sprachscheue Kinder, Otto Walter, Olten 1944) hin, der 50 Fälle der Literatur neben einigen eigenen bearbeitete, sodann auf Tramers Definition in seinem Lehrbuch der Kinderpsychiatrie, und zuletzt auf Weber (Zeitschrift für Kinderpsychiatrie, 1950, Heft 1), der versuchte, eine Grundkonzeption des elektiven Mutismus als einer bestimmt charakterisierten Form einer Kinderneurose zu schaffen. Verfasser bemüht sich, an Hand von 4 Fällen aus der psychiatrischen Poliklinik für Kinder und Jugendliche in Zürich die Probleme des Mutismus weiter zu klären.
Die Sprache bzw. Lautgebung ist für den Säugling schon früh ein Mittel seines affektiven Kontaktes. Es ist sichergestellt, daß Neugeborene schon Tonqualitäten unterscheiden, z. B. auf die Stimme der Mutter und die eines Fremden verschieden reagieren. Das Liebesgespräch zwischen Mutter und Kind, das noch weitgehend von Mimik und Gestik abhängig ist, dient dem Säugling dazu, seine Gefühle und Bedürfnisse auszudrücken. Wächst nun das Kind in einer Umgebung auf, die nur über einen spärlichen Sprachschatz verfügt, so resultiert daraus eine verzögerte Sprachentwicklung. Ein solches Kind wird besonders in Angst und Verwirrung gestürzt, wenn in den Sprachkontakt zwischen Mutter und Kind plötzlich ein fremdes Element eintritt. So erklären sich Fälle von traumatischreaktivem Mütismus infolge aktueller Angsterlebnisse in der Zeit der Sprachentwicklung. In ländlich abgelegenen Gebieten ist der Unterschied zwischen der Sprache im Hause und der Schule oft so groß, daß Kinder, die schon zu Hause eine verzögerte Sprachentwicklung durchmachten, bei der Einschulung den Lehrer wie einen Fremdsprechenden empfinden und plötzlich in Abwehrhaltung verstummen. Dieser elektive, zunächst nur auf die Schule begrenzte Mutismus kann zu einem totalen