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Den Erfahrungen des Verfassers liegen 190 Fälle von Bettnässerkindern der Leipziger Universitätsnervenklinik zugrunde (124 Jungen und 66 Mädchen). Hinweisend auf Kempers Monographie über das Bettnässen, betont Verfasser besonders das häufig fehlende männliche Leitbild bei Bettnässerkindern. Allein bei 95 Kindern war der Vater abwesend, in anderen Fällen hart, kriminell, chronisch krank, psychopathisch, Herumtreiber. Nur 11 Väter erschienen unauffällig. Analog war der Prozentsatz gemütswarmer Mütter ein geringer. Insgesamt lagen bei 93% der Kinder Störungen im Familienmilieu vor.
Es liegt insofern eine gewisse negative Auslese vor, als der Nervenklinik bevorzugt Kinder zugeführt werden, die auch organisch hirngeschädigt sind. So ließen sich bei 74 Kindern Hirnschädigungen nachweisen: Commotio, Enzephalitis, Chorea minor, Mikrokephalie, Hydrocephalus u. a. 87 Kinder machten in den ersten drei Lebensjahren schwere Krankheiten durch, was eine Entwicklungsund Wachstumsverzögerung und damit auch verspätete Sauberkeitsgewöhnung zur Folge hatte.
Bei 166 Kindern (87%), zweifellos dem Großteil der hirngeschädigten Kinder, konnten sowohl körperliche wie charakterliche, durch psychologische Testuntersuchungen nachgewiesene Retardierungssymptome festgestellt werden. Bei 110 Kindern wurde das Bettnässersymptom nicht besonders gewertet, d. h. die Einweisung erfolgte unter einer anderen Diagnose, relativ oft als Psychopathie.
Da die Korrektur des Milieus allgemein auf erhebliche Schwierigkeiten stößt und Erziehungsvorschläge nicht immer angenommen werden, wurde versucht, in der zur Verfügung stehenden kurzen Zeit von einer Stunde, sowohl die Eltern zu beraten und die notwendigen Untersuchungen durchzuführen als auch dem Kinde ein Mittel in die Hand zu geben, um selbst sein Symptom zu überwinden. Es hat sich dabei der formelhafte Vorsatz im Sinne von I. H. Schultz („um 11 Uhr werde ich aufwachen, auf den Topf gehen, wieder ins Bett gehen und weiterschlafen“) auswendig gelernt, und i