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Die Bedeutung der Übertragung in der Gruppentherapie soll nach Ansicht der Verfasserin darin gründen, daß, wenn das Individuum Glied einer Gruppe wird, die unbewußten Seelenvorgänge die bewußten beherrschen — wie es auch Freuds Auffassung war. Die Gruppe, in der die anderen Mitglieder als „Geschwister“ erlebt werden, bietet im verstärkten Maß Möglichkeiten zur Familien-Identifizierung, in der alte, typische Konflikte neu erlebt und nunmehr bewüßt auf reiferem Niveau durchgearbeitet werden können. Die in der Arbeit beschriebene Gruppe besteht aus Müttern, die ihre Kinder wegen verschiedener Konflikte in eine Child Guidance-Klinik brachten, wobei sich herausstellte, daß die Mütter alle auch selbst der Hilfe bedürftig waren. Es sind abgelehnte und ablehnende Frauen, von Angst und Schuld erfüllt. Die positive Übertragung, die sich nun zum Therapeuten, aber auch zu den anderen Mitgliedern der Gruppe ausbilden kann, wird so früh wie möglich genützt. Im Lauf der Behandlung nehmen die Patientinnen zunehmend an der Interpretation eigener und wechselseitiger Verhaltensweisen teil, die sich bald als Wiederholungen kindlicher Reaktionsformen entpuppen. Die Strenge und Schonungslosigkeit, mit der gegenseitig kritisiert wird, erinnert an die Härte der Strafen, die Kinder und Schüler einer Klasse übereinander verhängen würden, wo nicht die Autorität des Lehrers mildernd eingriffe.
Die große Fülle von Beispielen aus der Gruppentherapie, die Verfasserin bringt, kann im einzelnen nicht referiert werden. Die Lektüre dieser Arbeit ist einerseits anregend, kann aber auch nachdenklich stimmen. Es tauchen doch Zweifel auf, ob diese Behandlungsart so ohne weiteres auf die fester gebundenen und an Traditionen verhafteten Menschen des alten Europa übertragen werden könnten. Offensichtlich setzt eine derartige Aussprachemöglichkeit eine Naivität und Unbefangenheit voraus, über die die Neue Welt, nicht aber der abendländische Mensch ohne weiteres verfügt.