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Für jede Wissenschaft und ihre Entwicklung gilt das griechische Wort: Πόλεμoς πατήϱ άπάντων: Der Kampf ist der Vater aller Dinge. Wer Wissenschaftsgeschichte studieren will, wird Kämpfe bedeutender Persönlichkeiten, Auseinandersetzungen zwischen Meinungen, Abfallbewegungen und häufig auch persönliche Feindseligkeiten vorfinden. So bietet auch die Psychotherapie, wie sie im abgelaufenen halben Jahrhundert sich entfaltet hat, ein unfriedliches Bild: ja wir möchten fast meinen, es sei kaum in einer Wissenschaft so viel an heftiger Polemik, an persönlicher Auseinandersetzung, ja an gänzlichem gegenseitigen Mißverstehen zu vermerken wie in der Geschichte unserer Wissenschaft. Mag dem sein wie ihm wolle, es will uns scheinen, als ob die Zeit der Schulen, der „ bekennenden Psychologien“ (nach einem Ausdruck von Bally) zu Ende gehe, jedenfalls bei uns in Europa, wo sich herausgestellt hat, daß Angehörige der wichtigsten psychotherapeutischen Schulen — derer von Freud, Adler, Jung — durchaus in der Lage sind, fruchtbar zusammenzuarbeiten.
Natürlich erhebt sich sofort der Verdacht, daß diese Zusammenarbeit erkauft sei mit einer „Verwässerung“ der Standpunkte, die Gemeinsamkeit der Bemühung die Folge sei von allzu großer Nachgiebigkeit, ja Schwäche gegenüber der Position der ehemaligen Gegner. Ungefähr in dieser Richtung zielt das Urteil, das die strenge Freud-Schule in den Vereinigten Staaten über die Arbeit der deutschen psychotherapeutischen Institute fällt. Sie seien „eklektisch“ in abschätzigem Sinn, d. h. ohne rechtes Profil und klaren Standpunkt, vielmehr bestrebt, ein Ragout aus den Auffassungen der großen Schulhäupter zu kochen.
Tiefere Betrachtung, vor allem aber ernstlichere Selbstprüfung erweist jedoch, daß dieses Urteil nicht zutreffend sein kann. Es gibt persönliche Gegensätze, die im Laufe eines Lebens, nach einem Ausdruck von Jung, „überwachsen“ werden und nicht mehr im Focus des Denkens stehen. Ähnliches