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Seit dem letzten Weltkrieg hat die Freudsche Psychoanalyse einen zunehmend starken Einfluß auf die amerikanische Psychiatrie gewonnen. In seiner Antrittsrede als Präsident der Amerikanischen Psychiatrischen Vereinigung hat Dr. Leo H. Bartemeier2, der frühere Präsident der Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung, auf diesen wachsenden Einfluß hingewiesen. Er erklärte, daß das größere Verständnis für Psychoanalyse unter den amerikanischen Psychiatern aus ihrer Zusammenarbeit im Kriege erwuchs. Im gemeinsamen Kampf gegen psychologisch bedingte Notstände in der Armee lernten die Psychiater den Nutzen psychoanalytischer Kenntnisse und Erfahrungen anerkennen. Diese gemeinsamen Aufgaben konzentrierten sich insbesondere 1. auf die Einschätzung der seelischen Leistungs- und Tragfähigkeit der Soldaten und Offiziere, 2. auf die Behandlung und Rehabilitierung solcher, deren seelische Anpassungsfähigkeit unter dem Druck von Gefahren, Überlastung oder Entbehrung mehr oder weniger zusammengebrochen war, und 3. auf die Aufrechterhaltung der Gruppensolidarität.
Ein weiterer Grund für die Ausbreitung der Psychoanalyse in den USA. liegt in der Tatsache, daß die vom Kriege heimkehrenden jungen Psychiater auf Staatskosten (G. I. Bill of Rights) eine psychoanalytische Ausbildung erhalten konnten.
Die Zusammenarbeit von Psychiatern und Psychoanalytikern im Kriege und die wachsende Anerkennung psychoanalytischer Kenntnisse und Erfahrungen hat dazu geführt, daß die Psychiatrie mehr und mehr von psychoanalytischem Wissen durchdrungen wird. Auf der anderen Seite sind die Psychoanalytiker von einem Steckenbleiben in einseitiger Isolierung bewahrt worden. Unter dem Einfluß der Psychoanalyse hat sich die beschreibende, statistische Psychiatrie in eine psychobiologische (Adolf Meyer), psychodynamische Psychiatrie gewandelt. Die Psychoanalyse hat der Psychiatrie wesentliche Beiträge zur ätiologischen Erforschung nicht nur der Neurosen, sondern auch der funktionellen Psychosen, der Charakterfe