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Seit dem Erscheinen des Kinsey Report (A. C. Kinsey: Sexual Behavior in the Human Male, New York 1948) hat das Interesse für das sexuelle Verhalten der Jugendlichen sichtlich zugenommen. Der Zoologe Kinsey hat mit drei Mitarbeitern 12 000 Amerikaner über ihr sexuelles Gehaben befragt und beobachtet. Die Befragung erstreckte sich über alle Altersstufen (vom Neugeborenen bis zum Greis), alle Berufs- und Sozialschichten und alle Landschaften. Er stellte 325 Fragen, und es ist bewundernswert, mit welch subtiler Methodik die Exploration offensichtlich durchgeführt wurde. Kinsey und seine Mitarbeiter haben es verstanden, das Vertrauen ihrer Exploranden voll zu gewinnen. Auf der Straße, in Wirtshäusern, Kinderheimen, Anstalten und Privathäusern ist es gelungen, Preisgabe intimster Geheimnisse zu erringen, ohne daß man das Gefühl haben könnte, es sei indiskret vorgegangen worden.
Kinsey hat, ohne etwa dieses Ziel vor Augen gehabt zu haben, die Auffassung Freuds voll bestätigt, daß die Sexualität ein psychophysischer Ablauf ist und mit der Geburt beginnt. Er beobachtete vollen Orgasmus bei Säuglingen und Kleinkindern (natürlich ohne Ejakulation) und stellte fest, daß beim Kind der Orgasmus durch kleinste Erregungen ausgelöst werden kann: Beinpressen, Wiegen, Angstsituationen, Kleiderreiben usw. In der Nachpubertät sei die Fähigkeit zum Orgasmus erheblich gesteigert. Kinsey sieht einen engen Zusammenhang zwischen sexuellem Gehaben und intellektuellen Fähigkeiten. Aus den geschlechtlichen Erfahrungen eines Jugendlichen wagt Kinsey festzustellen, ob er zur Absolvierung der Hochschule befähigt ist oder nicht.
Kinsey mißt den biologischen und psychologischen Faktoren große Bedeutung bei, betrachtet aber als entscheidend für die Gestaltung des sexuellen Gehabens die Umwelt. Kinseys Beobachtungen und statistische Angaben zeigen eindeutig die Bedeutung der Umweltseinflüsse für die Ausformung und Gestaltung des sexuellen Gehabens schon in der Frühjugend. Entgegen der immer noch bestehe