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Es fehlte schon seit langem an einem „Lexikon der Komplexe“, in welchem man den in der Fachliteratur wie auch in der Belletristik immer häufiger auftauchenden Begriff des Komplexes nachschlagen könnte. Nun liegt ein solches vor, wenn auch vorerst nur in spanischer Sprache.
Der erste Teil des Buches bringt eine historisch-kritische Studie über den psychoanalytischen Begriff „Komplex“. Damit setzt der Verfasser seine semantischen Bemühungen um die Klärung von wichtigen Begriffen der Psychopathologie fort, die er in seinem mehrfach aufgelegten und übersetzten Buch „Los Sentimentos de Inferioridad“ (Die Minderwertigkeitsgefühle) begonnen hat.
Die Vaterschaft des Begriffes (Jung vindiziert sich die Ehre, das Wort 1893 zum erstenmal, anläßlich eines mit Ricklin zusammen gehaltenen Vortrages gebraucht zu haben) wird zwar Freud zugesprochen, die Mutterschaft aber C. G. Jung. Jedoch bestreitet Verfasser die Autonomie der Komplexe, die bei Jung als „Kobolde, Elfen“, das. ist als „Ichlinge im Ich“ erscheinen. Die Komplexe werden mit Baudouin, der bisher die beste Vorarbeit zur Klärung dieses wahrhaftig „komplexen“ Begriffes geleistet hat, durchaus nicht als etwas Abnormes angesprochen: sie können abnormal wie normal, bewußt, halbbewußt oder unbewußt sein. Sie sind sozusagen „sensible Stellen der Psyche“, die wie Knotenpunkte eines Netzes angesehen werden können. Die Komplexe werden auch definiert als puncti minoris resistentiae, aber auch als eine Art „Resonanzboden“ (deutsch im spanischen Original!) des Psychismus. Verfasser warnt vor der fortschreitenden Tendenz einer Inflation des Komplex-Begriffes, die überall zu beobachten sei.