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Unter Psychoanalytikern war man sich immer darüber im klaren, daß die Wissenschaft im allgemeinen, jede Wissenschaft im besonderen und jeder einzelne Wissenschaftler für sich über eine spezielle Psychologie verfügt. Die Wiederholung dieser hinlänglich bekannten Tatsache ist natürlich banal, aber Banales zu wiederholen ist nicht immer überflüssig. Es scheint mir daher nicht völlig zwecklos, wenn ich hier das allgemein Bekannte nochmals klarstelle und sage: Wenn ich von spezieller wissenschaftlicher Psychologie spreche, denke ich in erster Linie an das Unbewußte und die affektiven Determinanten dieser Psychologie, da die bewußte Psychologie des Wissenschaftlers oder der jeweiligen Wissenschaft unveränderlich jenes Gewand der Objektivität und leidenschaftslosen intellektuellen Distanz trägt, das wir Analytiker als ein ewig als Realität mißdeutetes und doch unsterbliches Phantasiebild erkannt haben.
Man wird allgemein zugeben, daß die anatomische und pathologische Forschung, die Chirurgie, die Astronomie und sogar die Ophthalmologie und Dermatologie gewisse fast spezifische unbewußte Determinanten in jedem Individuum voraussetzen, das sich diesen Spezialgebieten zuwendet: es wäre deshalb logisch anzunehmen, daß dieses Postulat auch auf die Psychoanalyse anzuwenden sei. Das trifft auch im großen ganzen zu. Die bekannten nekrophilen Triebe des Vesalius, die ihn von Kindheit an und besonders nach der Pubertät beherrschten, wandelten sich schließlich in die revolutionäre, schöpferische Begründung der wissenschaftlichen Anatomie. Es ist nicht schwer, bei den meisten Anatomen, Pathologen und Chirurgen eine Auswahl von nekrophilen und sadistischen Zügen zu entdecken, die mit ihrer wissenschaftlichen Arbeit und Begabung verflochten sind. So ist auch die Unzahl analsadistischer Abweichungen, die die Persönlichkeit fast aller Musiker oder Mathematiker auszeichnet, dem Analytiker nichts Neues.
Trotzdem sind wir vorerst noch weit entfernt davon, eine genaue Charakterologie und Psycho