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Dem komplexen Geschehen süchtigen Verhaltens, den vielgestaltigen Erscheinungsformen der Sucht und ihrer vielschichtigen Motivbildung kann man sich von verschiedenen Aspekten und Ebenen her nähern. Dieser Problemkreis hat der psychopathologischen Forschung im Laufe ihrer Entwicklung zahlreiche Fragen aufgegeben, und sie hat diese mit jeweils wechselnden Methoden zu bearbeiten versucht. Nach dem steigenden allgemeinen Interesse und der wachsenden Zahl von Publikationen zu urteilen, stellen sich heute diese Fragen dem behandelnden Psychiater und Psychotherapeuten mit erhöhter Dringlichkeit.
Um einen kurzen orientierenden Überblick zu gewinnen, sei daran erinnert, daß das Bemühen der Forschung zunächst auf die diagnostische Erfassung und die nosologische Einordnung des chronischen Morphinismus, Alkoholismus und verwandter toxikomaner Suchtformen sowie der sekundär ausgelösten Alkoholpsychosen gerichtet war. In der Folge erforderten jedes neue suchtauslösende Medikament wie z. B. Pervitin (Zutt) oder neuere Analgetica ein näheres Kennenlernen der akuten und chronischen, psychischen und somatischen Intoxikationserscheinungen. Später wurden Sonderfragen wie z. B. die Beurteilung der pathologischen Rauschzustände, des Delirium tremens, der Alkoholhalluzinose oder der Dipsomanie lebhaft diskutiert. Auf experimentellem Weg untersuchten Kräpelin, Wlassak u. a. die Veränderungen der affektiven und assoziativen Reaktions- und Verhaltensweisen im Rausch. Die Vergiftungsversuche Beringers zielten mehr auf die Erhellung psychopathologischer Einzelphänomene im Zusammenhang mit der Psychosenforschung. Pohlisch und Panse versuchten vorwiegend mit statistischen Methoden den Anteil der konstitutionell verankerten Persönlichkeitsstruktur und der disponierenden Faktoren des Milieus an der Pathogenese der Sucht gegeneinander abzugrenzen.
Neue Aspekte des Suchtproblems eröffneten in den letzten Jahrzehnten die Erkentnisse der tiefenpsychologischen Schulen und der daseinsanalytischen bzw. str