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Sigmund Freud hat mehrere Male in seinem Leben und jeweils unter einem anderen Aspekt das Entstehen und Werden der Psychoanalyse dargestellt und so den Späteren eine authentische Orientierung über die Entwicklung seines Lebenswerkes hinterlassen. Dabei zwang ihn die „Natur des Gegenstandes“ dazu, mehr als üblich bei einem solchen Unternehmen auch von sich selbst zu sprechen, der Geschichte seines Werkes nicht wenig von seiner eigenen Lebensgeschichte beizumischen. Wieviel Selbstbiographisches hat er darüber hinaus seiner Traumdeutung und der Psychopathologie des Alltagslebens anvertraut! Aufrichtiger und offener als er hat kaum ein anderer über sein Inneres zu berichten gewagt.
Was bedürfen wir also weiteres Zeugnis über den Menschen und das Werk? Darf sich unter solchen Umständen das biographische Bedürfnis noch weiter herandrängen, ohne Gefahr zu laufen, die menschliche Distanz zu verletzen?
Die Herausgeber dieses Buches, Marie Bonaparte, Anna Freud und Ernst Kris, gestehen uns im Vorwort, daß „nichts von dem im vorliegenden Band enthaltenen Material vom Verfasser selbst zur Veröffentlichung zugelassen worden wäre“. Wer das Buch gelesen hat — Satz für Satz und Zeile für Zeile — wird ihnen dankbar sein, daß sie trotz aller aufkommenden Bedenken sich zur Drucklegung entschlossen haben. Denn dieses Buch gewährt nicht nur einen aufschlußreichen Einblick in jene entscheidende Wende, die Freud von der Neurologie zur Psychoanalyse führte, sondern es prägt das Bild des forschenden und ringenden Menschen Freud gegenüber allen bisherigen Legenden neu. Das ist eine Rechtfertigung für die Herausgabe dieses Bandes.
Das Buch enthält eine Auswahl von Briefen, die Freud in den Jahren 1887-1902 an den Berliner Arzt Wilhelm Fliess geschrieben hat, mit dem er eng befreundet war, dazu eine Anzahl bisher unbekannter Manuskripte wissenschaftlichen Inhaltes, kurze Notizen über Krankengeschichten und den bedeutsamen „Entwurf einer Psychologie“ aus dem Jahre 1895.
Ernst Kris hat der Dokumente