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Das vor ungefähr einem Jahr aus dem Nachlaß des im Herbst 1949 verstorbenen Zürcher Arztes und Psychotherapeuten Hans Trüb veröffentlichte Buch „Heilung aus der Begegnung“ will, wie sein Untertitel besagt, „eine Auseinandersetzung mit der Psychologie C. G. Jungs“ sein. Es legt Zeugnis ab von Trübs jahrzehntelangem Ringen, gegenüber Werk und Persönlichkeit seines früheren Lehrers zu einer eigenen Position zu gelangen. Anregung und wesentliche Führung in dieser ihn tief bewegenden Auseinandersetzung fand er in der Persönlichkeit Martin Bubers, der zu dem vorliegenden Buch das Geleitwort geschrieben hat. Das Bild nun, das Trüb von der Psychologie Jungs entwirft, scheint mir außerordentlich subjektiv und in mancher Hinsicht unrichtig zu sein, und es besteht die Möglichkeit, daß durch dieses Buch die Mißverständnisse, denen Jung immer wieder begegnet, um einige vermehrt werden. Um dieser Gefahr entgegenzutreten, ist es notwendig, noch einmal ausführlich auf dasselbe einzugehen.
Hans Trüb möchte auf das methodische und therapeutische Grundprinzip der Komplexen Psychologie, die dialektische Erschließung des Unbewußten, nicht verzichten, er erhebt aber Jung gegenüber den Vorwurf der Unzulänglichkeit in weltanschaulicher Hinsicht. Jungs Psychologie basiere auf einer introvertierten gnostischen Grundhaltung, und damit ist — in Anbetracht des Zwielichts, in dem die frühchristliche Gnosis in weiten theologischen und geisteswissenschaftlichen Kreisen steht — ein Bann ausgesprochen, der nicht so leicht zu durchbrechen ist. Da Trüb seine schlagwortartige Feststellung nicht präzisiert und die Gnosis ein außerordentlich vielschichtiges und widerspruchsvolles geistes- und religionsgeschichtliches Phänomen ist, müssen wir kurz nach dem Verhältnis Jungs zur Gnosis fragen. Es ist nun auf keinen Fall so, daß Jung mit einer fertigen, im voraus formulierten Weltanschauung gnostischer Provenienz an die Erforschung der Psyche geht und dabei das findet, was er zuvor hineingelegt hat. Jung ist